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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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284 | Dinge – Nutzer – Netze Due to the ease of mass production, the concept of physical ownership of a digital photograph becomes subordinate to that of ownership of the intellectual property rights to duplicate the image. (Ebd.: 117) Natürlich spielten Abbildungsrechte für das wirtschaftliche Überleben von Museen schon lange vor dem Aufkommen der Digitalfotografie eine gewichtige Rolle. Für virtuelle Museen sind sie indes das eigentliche Exponat: Entscheidend ist für ein vir- tuelles Angebot nicht der Besitz eines Museumsdinges, sondern der Besitz der recht- lichen Befugnis, sein Abbild zu präsentieren ‒ und womöglich nicht einmal das, wenn vom entsprechenden Gegenstand bereits Abbildungen existieren sollten, die zur public domain gehören. Während Walter Benjamin die Vernichtung der Aura noch in technischen Reproduktionsprozessen schlechthin verortete, sieht Besser das Ende der klassischen Autorität des Kunstwerkes erst mit der Digitalfotografie heran- brechen. Analoge, physische Kopien von Museumsdingen, so stellt er fest, heben und akzentuieren letztlich die Autorität des Originals, weil sie in gerader Linie auf dieses zurückverweisen, auch wenn die Reproduktionsverfahren selbst die Erscheinung in- dustrieller Massenfertigung annehmen (vgl. ebd.: 117f.): Je häufiger ein Kulturge- genstand reproduziert wird, desto ausgeprägter ist er im kollektiven Bewusstsein prä- sent und desto mehr Verweislinien laufen ihm aus der ihn umgebenden Welt entge- gen. Bessers Logik ist hier im Grunde jene, die Roland Barthes 1980 in der Hellen Kammer auseinanderlegt: Das Foto erzählt zwar niemals eine ausführliche Ge- schichte, beweist aber aus technischer Notwendigkeit heraus mindestens die Realität der physischen Situation, in der es einst entstanden ist (vgl. Barthes 1989: 86f.). Weil aber digitale Bilder Text sind und aufgrund der völligen Adressierbarkeit aller ihrer kleinsten Bausteine auch rein kombinatorisch erzeugt werden können, beweist die Existenz einer Bilddatei grundsätzlich die Existenz von nichts außer ihrer selbst. Das digitale Bild (und die digitale Fotografie nimmt hier ontologisch keine Sonderrolle ein) setzt keine Entstehungssituation in der Kulturwelt und keinen menschlichen Schöpfer mehr voraus. Man gelangt von der digitalen Kopie indexikalisch also nicht mehr zum Original. Insofern untergräbt die Digitalfotografie für Besser unweigerlich die Autorität der Originale, weil sie diese in ihrer Funktion als materielle Referenzen von Abbildungen durch ein abstraktes Konzept des dinglichen Gegenstandes ersetzt, der weder in seiner eigenen Dinghaftigkeit in Erscheinung tritt, noch in der einer physischen Reproduktion (vgl. Besser 1997: 117f.). Nun ist aber Authentizität, wie mit Rekurs auf Susanne Knaller bereits festgestellt wurde, weniger eine immanente Qualität von als authentisch identifizierten Objekten als vielmehr ein »Medienpakt« (Knaller 2005: 22), welcher deren Mittelbarkeit über- brückt. Authentizität ist also vor allem ein Attribut der Rezeptionssituation und damit eine Funktion oder ein Machtvektor im Netzwerk medialer Dispositive. Die kardinale Frage für virtuelle Museen ist demnach nicht die, ob ihre virtuellen Exponate authen- tisch sind, sondern ob sich auf ihrer medialen Grundlage ein ähnlicher Medienpakt
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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