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Due to the ease of mass production, the concept of physical ownership of a digital photograph
becomes subordinate to that of ownership of the intellectual property rights to duplicate the
image. (Ebd.: 117)
Natürlich spielten Abbildungsrechte für das wirtschaftliche Überleben von Museen
schon lange vor dem Aufkommen der Digitalfotografie eine gewichtige Rolle. Für
virtuelle Museen sind sie indes das eigentliche Exponat: Entscheidend ist für ein vir-
tuelles Angebot nicht der Besitz eines Museumsdinges, sondern der Besitz der recht-
lichen Befugnis, sein Abbild zu präsentieren ‒ und womöglich nicht einmal das,
wenn vom entsprechenden Gegenstand bereits Abbildungen existieren sollten, die
zur public domain gehören. Während Walter Benjamin die Vernichtung der Aura
noch in technischen Reproduktionsprozessen schlechthin verortete, sieht Besser das
Ende der klassischen Autorität des Kunstwerkes erst mit der Digitalfotografie heran-
brechen. Analoge, physische Kopien von Museumsdingen, so stellt er fest, heben und
akzentuieren letztlich die Autorität des Originals, weil sie in gerader Linie auf dieses
zurückverweisen, auch wenn die Reproduktionsverfahren selbst die Erscheinung in-
dustrieller Massenfertigung annehmen (vgl. ebd.: 117f.): Je häufiger ein Kulturge-
genstand reproduziert wird, desto ausgeprägter ist er im kollektiven Bewusstsein prä-
sent und desto mehr Verweislinien laufen ihm aus der ihn umgebenden Welt entge-
gen. Bessers Logik ist hier im Grunde jene, die Roland Barthes 1980 in der Hellen
Kammer auseinanderlegt: Das Foto erzählt zwar niemals eine ausführliche Ge-
schichte, beweist aber aus technischer Notwendigkeit heraus mindestens die Realität
der physischen Situation, in der es einst entstanden ist (vgl. Barthes 1989: 86f.). Weil
aber digitale Bilder Text sind und aufgrund der völligen Adressierbarkeit aller ihrer
kleinsten Bausteine auch rein kombinatorisch erzeugt werden können, beweist die
Existenz einer Bilddatei grundsätzlich die Existenz von nichts außer ihrer selbst. Das
digitale Bild (und die digitale Fotografie nimmt hier ontologisch keine Sonderrolle
ein) setzt keine Entstehungssituation in der Kulturwelt und keinen menschlichen
Schöpfer mehr voraus. Man gelangt von der digitalen Kopie indexikalisch also nicht
mehr zum Original. Insofern untergräbt die Digitalfotografie für Besser unweigerlich
die Autorität der Originale, weil sie diese in ihrer Funktion als materielle Referenzen
von Abbildungen durch ein abstraktes Konzept des dinglichen Gegenstandes ersetzt,
der weder in seiner eigenen Dinghaftigkeit in Erscheinung tritt, noch in der einer
physischen Reproduktion (vgl. Besser 1997: 117f.).
Nun ist aber Authentizität, wie mit Rekurs auf Susanne Knaller bereits festgestellt
wurde, weniger eine immanente Qualität von als authentisch identifizierten Objekten
als vielmehr ein »Medienpakt« (Knaller 2005: 22), welcher deren Mittelbarkeit über-
brückt. Authentizität ist also vor allem ein Attribut der Rezeptionssituation und damit
eine Funktion oder ein Machtvektor im Netzwerk medialer Dispositive. Die kardinale
Frage für virtuelle Museen ist demnach nicht die, ob ihre virtuellen Exponate authen-
tisch sind, sondern ob sich auf ihrer medialen Grundlage ein ähnlicher Medienpakt
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Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Title
- Dinge – Nutzer – Netze
- Subtitle
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Author
- Dennis Niewerth
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Category
- Medien