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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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298 | Dinge – Nutzer – Netze Cultures wiederum borgt sich diese Autorität und übersetzt sie für seine eigene Aus- stellungsabsicht abermals in eine praktische und zweckdienliche Form, die nun aber (der digitalen Trägertechnologie geschuldet) nicht mehr nur kulturell funktionieren kann, sondern eine funktionale Entsprechung auf dem computer layer erfordert. Diese Entsprechung sind eben Formate, Standards und Protokolle, welche die Kano- nizität der Inhalte und das Wohlverhalten der User gleichermaßen absichern sollen. Dabei ist allerdings, wie Clifford Lynch feststellt, das Authentizitätserlebnis im virtuellen Museum (und, so könnte man hinzufügen, aller Wahrscheinlichkeit nach auch im physischen) weniger an konkrete technische Verfahren der Authentifizie- rung als vielmehr an die Annahme gekoppelt, dass entsprechende Mechanismen im Hintergrund der ›Ausstellung‹ wirksam sind. Vom Endnutzer könne man überhaupt nicht erwarten, die Daten, mit denen er umgeht, in irgendeiner Weise zu authentifi- zieren: Der ›Besucher‹ eines virtuellen Museums wird üblicherweise weder Zugriff auf die Masterkopie, noch auf die genaue Herkunftsdokumentation eines digitalen Exponates haben, wie immer es auch verfasst und formatiert sei (vgl. Lynch 2000). Und natürlich würde die Einforderung einer solchen Leistung auch völlig dem mu- sealen Erfahrungsmodus zuwiderlaufen, den wir aus dem physischen Museum ge- wohnt sind. Im Museum müssen wir normalerweise weder Kenner sein, die jeden Semiophor aus ihrem Vorwissen heraus als authentisch identifizieren können, noch müssen wir zu Bürokraten mutieren, welche in die Sammlungsdokumentation ein- tauchen und die Provenienz der Exponate an den papiernen Spuren ihrer Aufbewah- rung nachhalten. Der Tempel gewährleistet die Heiligkeit seines Inhaltes aus dem Umstand heraus, dass er Tempel ist und von einer Priesterschaft als solcher bespielt wird. Die Abduktion ist per Institutionalisierung ermöglicht, während die Vorausset- zungen für Induktion, Deduktion und Transduktion kuratorisch gemacht werden müssen. Damit geht es also, fasst Lynch zusammen, letztlich auf der Rezipientenseite zentral immer um »Vertrauen« (ebd.). Dieses Vertrauen ist nicht einfach das aufsum- mierte Produkt zusammenwirkender Authentisierungsstrategien, sondern wieder eine Machtlinie im Netz eines Dispositivs, in welchem diese Strategien mit zahlreichen anderen Faktoren interagieren. Während also die Virtualisierung des Musealen zu- nächst darin besteht, Digitalisate von physischen Museumsexponaten zu erstellen und diese innerhalb einer virtuellen Informationsarchitektur für eine von musealen Vermittlungsabsichten getragene Präsentation aufzubereiten, heißt Musealisierung des Virtuellen vor allen Dingen: diese Informationsarchitektur so zu gestalten, an die Außenwelt anzubinden und zu narrativieren, dass sie von ihren Nutzern als ein Ga- rant des ›Echten‹ angenommen wird. Hierbei spielt natürlich die Authentifizierung von digitalen Objekten eine wichtige Rolle ‒ äquivalent und zugleich nachgeschaltet jener von Fachwissenschaften wie Archäologie oder Kunstgeschichte, welche die Echtheit physischer historischer Überreste bestimmen und diese damit für museabel
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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