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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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tergrund dienen, um einer Liebesgeschichte schärfere Konturen zu verleihen. Die für den Kalten Krieg konstitutive Bipolarität kommt dabei dem strukturel- len Kern dieser Erzählungen entgegen, denn üblicherweise formieren sich die Protagonistinnen und Protagonisten von Liebesgeschichten in zwei entgegen- gesetzten Gruppierungen und deren hierarchische Organisation erlaubt es, sie zwei entgegengesetzten Lagern zuzuordnen.4 Protagonisten mit gleichem sozi- alen Status, gleichen Werten oder gleicher Nationalität bieten dem Liebesroman hinsichtlich eines handlungsbedingten Spannungsverhältnisses weit weniger Möglichkeiten. Die Herausforderung, die die erbitterte Feindschaft zwischen den beiden Blöcken den Liebenden stellt, ergibt also eine höchst produktive Ausgangssituation für Narrationen und trägt wesentlich zur genreübergreifen- den Popularität des Romeo-und-Julia-Stoffes im Kalten Krieg bei. Nicht zufällig wurde für den ersten Auftritt des Bolschoitheaters in Großbritannien, 1956 im Royal Opera House in London, das Ballet Romeo und Julia von Sergei Prokofjew gewählt.5 Im Hollywood-Film diente die Systemkonkurrenz zwischen Ost und West bereits vor dem Kalten Krieg als Folie für spannungsreiche Liebesgeschichten.6 So konvertiert in Ernst Lubitschs Ninotschka (1939) eine linientreue Kommu- nistin, die von Moskau als Sonderbeauftragte nach Paris entsandt wurde, auf- grund ihrer Liebe zu einem französischen Grafen zum Westen. Obwohl der Film dem Genre der romantischen Komödie folgt, gibt es zahlreiche Anspielungen auf die repressiven Verhältnisse im stalinistischen Russland, wie etwa die „Säu- berungen“ zwischen 1936 und 1939 oder die Angst eines der Protagonisten, nach Sibirien in ein Arbeitslager verschleppt zu werden. Als Ninotschka sich schuldig fühlt, weil sie die Sowjetunion aufgrund ihrer Liebe zu einem „Westler“ verraten hat, spielt sie betrunken ihre Exekution vor.7 Der Film wurde am 14.  Novem- ber 1950, also kurz nach dem sogenannten „Oktoberstreik“, als man im besetz- ten Österreich eine kommunistische Machtübernahme befürchtete, erstmals in den Kinos der Internationalen Zone in Wien gezeigt und zählte dort in seinem ersten Monat mehr als 80.000 Besucher.8 Die zentralen Motive des Films wur- 4 Vgl. George Paizis: Love and the Novel. The Poetics and Politics of Romantic Fiction. Hound- mills, Basingstoke [u.a.]: Macmillan Press Ltd. 1998, S.  74. „From the outset, the characters are deployed in two opposite groupings. Their hierarchic arrangement allows them to be classified in two opposing camps.“ 5 Vgl. Caute: The Dancer Defects. S. 474. 6 Weitere Filme, die sich des Motivs Romeo und Julia unter dem Vorzeichen des Kalten Krieges bedienen sind u.a. die britische Produktion The Young Lovers (1954), Eine Berliner Romanze (1955/56) sowie Peter Ustinovs Romanoff and Juliet (1961), vgl. Stiftung Deutsche Kinemathek (Hg.): Kalter Krieg. 60 Filme aus Ost und West. Berlin: Gallus 1991, S.  272  f., 275  f.. 7 Vgl. Tony Shaw: Hollywood’s Cold War. Edinburgh: Edinburgh Univ. Press Ltd. 2007, S.  19. 8 Vgl. Markus Feigl: Kulturelle Visitkarten. Die (Re-)Präsentation der Besatzungsmächte in Wien 1945–1955. Wien: Stadt Wien MA9, S.  40. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 94 3 Romeo und Julia im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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