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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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landsverrat“ in Moskau hingerichtet.32 Andererseits bediente sich das Ministe- rium für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik aus- gerechnet der sogenannten „Romeo“-Methode, die „mit wissenschaftlicher Präzision zu einem regelrechten System der Agentenrekrutierung“33 entwickelt wurde. „Romeo“-Agenten knüpften zum Ziel der Informationsgewinnung Lie- besbeziehungen mit weiblichen Zielpersonen im Westen an. Vor allem Sekretä- rinnen in politischen Abteilungen der BRD wurden mittels dieser Methode von der Stasi zur Spionage bewogen.34 Wenn sogar der DDR-Geheimdienst bei der Benennung seiner Methoden auf Shakespeares Drama zurückgreift, wird die Aktualität des Stoffes mehr als deutlich. Allerdings hat man dies im MfS wohl nicht zu Ende gedacht, bedenkt man das Schicksal Romeos in Shakespeares Stück. Dors und Federmanns Roman fand bei seinem Erscheinen große Beachtung, wenn auch nicht immer Lob. Die Presse betonte, dass das Autorenduo mit „raf- finierter Treue […] die von Shakespeare geknotete Tragödie“ wiederholt und „die Scheintod-Geschichte [geschickt] in das zwanzigste Jahrhundert“ übertra- gen habe, bemängelt jedoch, dass der Versuch „selbst bis ins kleinste Shakespe- are zu wiederholen, […] die Geschichte manchmal an den Rand des Lächerli- chen“35 bringe. Ein anderer Rezensent konstatiert dagegen, dass die im Jahrzehnt zwischen 1945 und 1955 herrschenden Besatzungsverhältnisse in Wien durch den Film Der Dritte Mann „längst schon zur Kulisse jeder Reportage herabge- sunken wären und kritisiert, dass über das ‚eigentliche Wien und seine Menschen […] so gut wie nichts‘ zu erfahren wäre. Hinsichtlich der Protagonisten kommt er zu einem harten Urteil: ‚Wie wenig Wien ist in diesem Buche, und wie schwer ist es, Anteilnahme für Figuren aufzubringen, die sich nur zufällig in dieser Stadt aufhalten und die künstliche Existenz von Angehörigen der Besatzungsmächte führen! […] Sie ist nichts weiter als ein Fortsetzungsroman, dessen Geläufigkeit durch fallendes Herbstlaub gemildert werden soll.‘36 Der Roman, der vor der Buchausgabe 1954 in der Münchner Illustrierten Revue, mit einer Auflage von 600.000 Exemplaren, in Fortsetzungen erschienen 32 Vgl. ebd. S. 45 sowie zur Biographie Louceks S. 465–470. 33 Hubertus Knabe: Die unterwanderte Republik. Stasi im Westen. Berlin: Propyläen 1999, S.  57  f. Vgl. auch Kurt u. Max Tozzer: Das Netz der Schattenmänner. Geheimdienste in Österreich. Wien: Holzhausen 2003, S.  126  f. 34 Vgl. Elisabeth Pfister: Unternehmen Romeo. Die Liebeskommandos der Stasi. Berlin: Aufbau 1999. 35 K. F.: Umgedichteter Shakespeare Anno 1955. In: Die Presse, 13.2.1955. 36 Sbg.: Nichts von Wien. In: Die Gegenwart, 15.1.1955. Übertragungen des „Romeo und Julia“-Stoffes in den Kalten Krieg 103
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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