Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 115 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 115 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Bild der Seite - 115 -

Bild der Seite - 115 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text der Seite - 115 -

die man nicht erwidern kann, es drückte auf die Kehle, erschwerte das Atmen kaum merklich, wollte sich ausdrücken.58 B. dagegen fühlt sich „selbst gekränkt durch die Einsperrungen der D. in ihrem Berlin, er hatte eine private Wut auf die Sperrzonen, Minenfelder, Postenketten, Hindernisgräben, Sichtblenden, Stacheldraht, Vermauerung, Schießbefehle und Strafandrohung für den Versuch des Übergangs“.59 Er organisiert die Flucht für D. aus Ostberlin mit einem gefälschten Pass. Obwohl sie als „Touristin aus Öster- reich auf dem Weg nach Skandinavien“60 im westlichen Notaufnahmelager Mari- enfelde unterkommt, begleitet sie B. dann nicht in seine Heimatstadt, eine mit- telgroße Landstadt in Schleswig-Holstein. Vierfache Besetzung: Simone und der Friede Es gibt aber auch andere Texte, die die Konstellationen des Kalten Krieges auf Liebespaare thematisieren. Einer der skurrilsten mag in diesem Zusammenhang wohl ein Theaterstück österreichischer Provenienz sein. Denn mit insgesamt vier „Romeos“ hat es die Protagonistin des Theaterstücks Simone und der Friede (1947)61 von Adolf Schütz zu tun, welches er unter dem Pseudonym Georges Roland veröffentlichte. Diese vier, den jeweiligen Besatzungsmächten (Ameri- kanern, Russen, Franzosen, Engländern) zugeordneten Figuren, streiten um die Gunst dieser undurchschaubaren „Julia“. Besonders heftig fällt dieses Werben zwischen einem, – als einfältig dargestellten, Kaugummi kauenden – Amerika- ner und einem linientreuen und „überkultivierten“ Russen aus. Dies mag der Hauptgrund gewesen sein, warum der Inhalt des Stückes weder der sowjetischen noch der amerikanischen Besatzungsmacht zusagte, und, als es 1948 in den Wie- ner Kammerspielen aufgeführt werden sollte, von beiden verboten wurde. Erst 1951 gelangte das Stück in Stella Kadmons „Theater der Courage“ unter der Regie von August Rieger zur Uraufführung „und wieder bestand die Gefahr“,62 wie die Zeitschrift der sozialdemokratischen Studenten Neue Generation berichtete, dass die Aufführung von einer Besatzungsmacht verboten werden würde.63 58 Uwe Johnson: Zwei Ansichten. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1965, S. 45 u. S. 47. 59 Ebd., S. 25–26. 60 Ebd., S. 218. 61 Adolf Schütz [Pseud.: George Roland]: Simone und der Friede. Ein Spiel in drei Akten. Typoskript. Wien: Marton 1946 [Im Folgenden mit SF abgek.]. 62 N.N.: Aus dem Kulturleben. In: Neue Generation 2 (1951) H. 3. 63 Am 28. Mai 1965 wurde es abermals im „Theater der Courage“ mit dem Titel „Die großen und die kleinen vier“ aufgeführt. Vgl. Mounier Joukhadar: „Theater der Courage“. Geschichte, Intention, Spielplan und Wirkung einer Wiener Kellerbühne. Wien: Univ.-Diss. 1980. Vierfache Besetzung: Simone und der Friede 115
zurück zum  Buch Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges