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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 127 -
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(unglücklich) verlobt ist und als Hostess im Grandhotel in Locarno arbeitet, wird von Marguerite damit beauftragt, über ihr Hotelzimmer zu wachen sowie ihre Post und Telefonate in Empfang zu nehmen. Während die Beziehung zu Gina für Marguerite nur eine weitere Affäre ist, bedeutet sie für Gina einen Bruch, was vor allem durch ihre Tagebuchaufzeichnungen, die die Geschichte der beiden Frauen erzählt, deutlich wird. Das Schicksal Ginas wird am Ende des Romans nur angedeutet, vermutlich begeht sie Selbstmord. Sie ist kein Teil der Kalten-Kriegs-Elite wie Gaston, Kost- ja oder Marguerite. Sie wird in das ideologische Spiel hineingezogen, ist nur verständnislose Zeugin von deren Machenschaften und reflektiert darüber in ihrem Tagebuch: „Eigentlich gehörte ich nicht dazu.“ (F 12) Gina versteht die ideologische Rhetorik der anderen Protagonisten nicht, die diese verwenden, um ihre wirklichen Motive zu verbergen und sieht nur die egoistischen Motive hinter deren Taten. Gina vollzieht die symbolische Ermordung Kostjas mit einem Brieföffner: „Es war ein Papierdolch, aber täusche sich keiner: was sie mit ihm beging, war ein Mord. […] Ich sah dabei Kostjas Gesicht nur für einen Augen- blick; ein Ausdruck, den ich nicht entziffern konnte, ein Mord- und Tot- schlag-Ausdruck, einer der schießt oder eben erschossen wird […].“ (F 243) Die Diskrepanz der ideologischen Rhetorik, die die Wahl des Individuums zwischen der östlichen und westlichen Ideologie unterstreicht und der tatsäch- lichen Praxis, in der eine solche Wahl keine wirkliche Signifikanz besitzt, wird durch die Dreiecksbeziehung zwischen Marguerite, Gaston und Kostja verdeut- licht. Denn diese Dreiecksbeziehung findet eigentlich nur in Marguerites Kopf statt, und ist nichts anderes als ein Versuch, die Langweile und ihre ehelichen Frustrationen zu vertreiben. Um ihrer Affäre eine größere Signifikanz zu ver- leihen, beschreibt Marguerite ihre Pläne in den Begriffen des Kalten Krieges.85 Sie benutzt diese Topoi um ihre ehelichen Frustrationen zu kompensieren. Ihre vollkommene Gleichgültigkeit gegenüber politischen Werten zeigt sich in den Vorbereitungen für den Aufbruch nach Polen. Sie packt nicht nur ihre gesamte Haute-Couture-Garderobe ein, sondern kauft auch noch einen Porsche für die Reise: „Ich hing nicht an all diesem Plunder, aber er mußte mit, in jenen Ost- ländern war er ein Vermögen und Leben wert.“ (F 92) Hans Kricheldorff betont anlässlich des Erscheinens des Romans in den Neu- en deutschen Heften, dass selbst „wenn man Zweifel haben sollte“, ob die Protagonisten als „zutreffende Abbilder einer Wirklichkeit“ gelten können, so würden „solche Zweifel über der kalten Spannung und der sprachlichen Schär- fe, mit denen das grausige Zeitthema hinter dem menschlichen Nebeneinander 85 Vgl. Elizabeth L. Pennebaker: „Ideas instead of bombs“. An examination of anti-communism in Cold War Austria and its reflection in five novels (1950–1962). Oxford: Diss. 2001, S.  348. Liebe zwischen Ost und West 127
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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