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sich „vor allem gegen den Kommunismus und seine intellektuellen Infiltrations-
methoden, aber auch gegen alle andern [sic!] totalitären Ideologien“22 richten
sollte. Das Forvm war bis in die 1960er-Jahre das wichtigste kulturpolitische
Medium des Antikommunismus in Österreich. Torberg schreibt in einem Brief
über die angestrebte Intention und Wirkung der Zeitschrift: „We hope to lure
our readers via the cultural part into the political one. Brutally spoken, we want
to sell them politics under the pretext of culture, and I don’t have to tell you what
sort of politics it will be.“23 Zwischen 1954 und 1966 war das Forvm für Torberg
die zentrale mediale Waffe im Kalten Krieg, gleichzeitig aber auch eine äußerst
lukrative Einnahmequelle, verdiente er doch als Herausgeber und Redakteur das
Zehnfache eines damaligen Mittelschullehrergehalts.24
Den von Torberg imaginierten und konstruierten „Ansturm“ des totalitären
Regimes in Form des Sowjetkommunismus auf die europäischen Demokratien
bekämpfte das Forvm bis 1966 in einer publizistischen Fehde, die sich gegen
das politische System hinter dem Eisernen Vorhang, aber auch gegen sogenann-
te „Neutralisten“ und „Fellowtraveller“25 wandte. Das Forvm forcierte einen
Antikommunismus im Zeichen der Allianz mit Christen und Sozialdemokraten.
Im Editorial der ersten Ausgabe wurden sowohl die Position der Zeitschrift als
auch die intendierte Richtung des Kampfes wie folgt zusammengefasst:
22 Friedrich Torberg: „Expose einer mit Hilfe des ‚Congrès pour la Liberté de la Culture‘ in Wien
herausgegebenen Zeitschrift“, o.D., maschinenschriftliches Typoskript, IACF-Archiv, Regen-
stein-Library, Chicago, Box 110, Folder 2.
23 Friedrich Torberg an Lawrence Dalcher, Brief v. 5.11.1953, zit. nach Corbin: „Das Forvm ist
mein Kind“, S. 204.
24 Vgl. Tichy: Friedrich Torberg, S. 221.
25 Der Begriff des „Fellowtravellers“ geht auf Leo Trotzki zurück, der damit jene Künstler bezeich-
nete, die zögerten, an der Oktoberrevolution teilzunehmen und als zweifelnde Unterstützer
des Kommunismus galten. Aktualisierte Bedeutung erhielt der Begriff während des Spanischen
Bürgerkriegs in den Jahren 1936 bis 1939 und im Zuge der Volksfrontstrategie der „Komin-
tern“, als zahlreiche Intellektuelle mit der spanischen Republik bzw. dem Kommunismus sym-
pathisierten. Mit Zuspitzung des Kalten Krieges fand der Begriff willkürlichere, aggressivere
und pejorativere Verwendung, insbesondere in den USA der McCarthy-Ära. Eine Zusammen-
arbeit mit Organisationen, in denen Kommunisten vertreten waren sowie jede Stellungnahme,
die partielle Sympathien für den Kommunismus erkennen ließ, führte zu einer Denunzierung
als „Fellowtraveller“. Vgl. Leo Trotzki: Die literarischen Mitläufer der Revolution. In: Ders.:
Literatur und Revolution. Wien: Verl. f. Lit. u. Politik 1924, S. 40–57, hier S. 41. Caute: The
Fellow-Travellers., S.
3. Der berühmteste deutschsprachige Autor, dem dies vorgeworfen wur-
de, war Thomas Mann. Dies zwang ihn 1952 zu seiner Übersiedelung aus den USA in die
Schweiz. Das US-Magazin Life bezeichnet die Fellowtraveller als Waffe der Kommunisten,
denn v.a. berühmte Persönlichkeiten, die bewusst oder nicht den kommunistischen Frontor-
ganisationen angehören, verleihen diesen „glamor, prestige, and the respectability of American
liberalism“. Vgl. N.N.: Dupes and Fellow Travellers Dress Up Communist Fronts, In: Life 26
(1949) H. 14, S. 42–43, S. 42.
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Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918