Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Page - 138 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 138 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Image of the Page - 138 -

Image of the Page - 138 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text of the Page - 138 -

sich „vor allem gegen den Kommunismus und seine intellektuellen Infiltrations- methoden, aber auch gegen alle andern [sic!] totalitären Ideologien“22 richten sollte. Das Forvm war bis in die 1960er-Jahre das wichtigste kulturpolitische Medium des Antikommunismus in Österreich. Torberg schreibt in einem Brief über die angestrebte Intention und Wirkung der Zeitschrift: „We hope to lure our readers via the cultural part into the political one. Brutally spoken, we want to sell them politics under the pretext of culture, and I don’t have to tell you what sort of politics it will be.“23 Zwischen 1954 und 1966 war das Forvm für Torberg die zentrale mediale Waffe im Kalten Krieg, gleichzeitig aber auch eine äußerst lukrative Einnahmequelle, verdiente er doch als Herausgeber und Redakteur das Zehnfache eines damaligen Mittelschullehrergehalts.24 Den von Torberg imaginierten und konstruierten „Ansturm“ des totalitären Regimes in Form des Sowjetkommunismus auf die europäischen Demokratien bekämpfte das Forvm bis 1966 in einer publizistischen Fehde, die sich gegen das politische System hinter dem Eisernen Vorhang, aber auch gegen sogenann- te „Neutralisten“ und „Fellowtraveller“25 wandte. Das Forvm forcierte einen Antikommunismus im Zeichen der Allianz mit Christen und Sozialdemokraten. Im Editorial der ersten Ausgabe wurden sowohl die Position der Zeitschrift als auch die intendierte Richtung des Kampfes wie folgt zusammengefasst: 22 Friedrich Torberg: „Expose einer mit Hilfe des ‚Congrès pour la Liberté de la Culture‘ in Wien herausgegebenen Zeitschrift“, o.D., maschinenschriftliches Typoskript, IACF-Archiv, Regen- stein-Library, Chicago, Box  110, Folder  2. 23 Friedrich Torberg an Lawrence Dalcher, Brief v. 5.11.1953, zit. nach Corbin: „Das Forvm ist mein Kind“, S.  204. 24 Vgl. Tichy: Friedrich Torberg, S. 221. 25 Der Begriff des „Fellowtravellers“ geht auf Leo Trotzki zurück, der damit jene Künstler bezeich- nete, die zögerten, an der Oktoberrevolution teilzunehmen und als zweifelnde Unterstützer des Kommunismus galten. Aktualisierte Bedeutung erhielt der Begriff während des Spanischen Bürgerkriegs in den Jahren 1936 bis 1939 und im Zuge der Volksfrontstrategie der „Komin- tern“, als zahlreiche Intellektuelle mit der spanischen Republik bzw. dem Kommunismus sym- pathisierten. Mit Zuspitzung des Kalten Krieges fand der Begriff willkürlichere, aggressivere und pejorativere Verwendung, insbesondere in den USA der McCarthy-Ära. Eine Zusammen- arbeit mit Organisationen, in denen Kommunisten vertreten waren sowie jede Stellungnahme, die partielle Sympathien für den Kommunismus erkennen ließ, führte zu einer Denunzierung als „Fellowtraveller“. Vgl. Leo Trotzki: Die literarischen Mitläufer der Revolution. In: Ders.: Literatur und Revolution. Wien: Verl. f. Lit. u. Politik 1924, S.  40–57, hier S.  41. Caute: The Fellow-Travellers., S.  3. Der berühmteste deutschsprachige Autor, dem dies vorgeworfen wur- de, war Thomas Mann. Dies zwang ihn 1952 zu seiner Übersiedelung aus den USA in die Schweiz. Das US-Magazin Life bezeichnet die Fellowtraveller als Waffe der Kommunisten, denn v.a. berühmte Persönlichkeiten, die bewusst oder nicht den kommunistischen Frontor- ganisationen angehören, verleihen diesen „glamor, prestige, and the respectability of American liberalism“. Vgl. N.N.: Dupes and Fellow Travellers Dress Up Communist Fronts, In: Life 26 (1949) H. 14, S. 42–43, S.  42. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 138 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
back to the  book Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges