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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 139 -
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Seite - 139 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Im Verlauf der größeren Auseinandersetzung, die in unsern Tagen zwischen De- mokratie und Totalitarismus vor sich geht (und die eine Auseinandersetzung auf Tod oder Leben ist) ergibt sich dem kritischen Beschauer bisweilen der Eindruck, als sei es mit der Meinungs-Vielfalt auf unsrer Seite nicht mehr gar so weit her, als steuerten auch wir immer deutlicher den Kurs des uniformen Denkens und Redens. Bis zu einem gewissen Grad stimmt das: nämlich im Negativen, in der Negation des Totalitarismus. Den haben wir gar nicht gern. Gegen den sind wir. […] weil wir tatsächlich den Totalitarismus jeglicher Spielart meinen, Neo-, Kryp- to- und Kommunazi, Leni-, Stali- und Kommunisten, wie’s grad kommt.26 Torberg ging es stets um die Definition der Unterschiede zwischen der „freien Welt“ und dem Totalitarismus, wobei er metonymisch Amerika und Russland mit den beiden Begriffen gleichsetzte. Aus Torbergs Perspektive operierte das totalitäre System mit einer schwer wahrnehmbaren Lügenpolitik, um deren Ent- larvung er stets bemüht war. Sein Antikommunismus operierte mit kabarettis- tischem Witz und ätzenden Polemiken, der sich im Forvm in den „PS“-Glossen und „Glossen zur Zeit“ artikulierte. Nach Rabinbach funktionierte der Begriff „Totalitarismus“ ab 1947/48 als „semantische Brücke“,27 die es ehemals Progressiven, zu denen auch Torberg zählte, möglich machte, den Wechsel vom Antinationalsozialismus zum Anti- kommunismus zu vollziehen. An seinen Freund Max Brod schreibt Torberg im August 1947: Ich weigere mich hartnäckigst und mit jeder Faser meines Intellekts, meines Cha- rakters, meines Temperaments und meiner Gottgläubigkeit, auf die von den Kom- munisten praktizierten Demagogien von ‚Nazifaschismus‘, ‚Imperialismus‘ u. dgl. hereinzufallen, ich weigere mich, zwischen den einzelnen Erscheinungsformen der totalitären Diktatur um einiger Nuancen willen zu unterscheiden, und wenn der Endzweck des Kommunismus von dem des ‚Nazifaschismus‘ noch so himmel- weit entfernt ist, so ist das, da die zu seiner Erreichung angewandten Mittel seine Unerreichbarkeit perpetuieren, eben auch nur eine Nuance, und nicht einmal eine besonders wesentliche.28 In Die zweite Begegnung eingeschoben sind persönliche Notizen des Protagonis- ten, in denen ein weiterer politischer Diskursfaden erkennbar wird, der sich als individuelle Emanzipationsgeschichte von kommunistischen Sympathien bezeich- 26 N.N.: An Stelle eines Leitartikels. In: Forvm 1 (1954) H. 1, S. 2. 27 Rabinbach: Begriffe aus dem Kalten Krieg, S. 21. 28 Friedrich Torberg: In diesem Sinn  … Briefe an Freunde und Zeitgenossen. München, Wien: Langen Müller 1981, S.  70  f. Darstellungsformen des Totalitarismus 139
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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