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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 178 -
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dabei nicht einmal vor den Ministern halt machen würde. Rund 500.000 NS-Gau- akten wurden nach 1945 von der Staatspolizei übernommen und im Heizungs- keller des Parlaments versteckt und weiter verwendet. Diese wurden noch um über 50.000 Spitzelakten, die in der Nachkriegszeit angelegt worden waren, ergänzt. Wie Olah erklärte, sei es aber nicht die Aufgabe der Staatspolizei, Staats- bürger zu bespitzeln: „Diese Methoden sind in Diktaturen üblich, sie waren es auch in der Zeit der beiden Diktaturen in Österreich. Die Methoden wurden aber nach 1945 fortgesetzt. Man ist nicht gleich dahintergekommen, weil die Beamten diese Akten auch vor den eigenen Ressortministern geheimgehalten haben.“117 Jeder dritte Österreicher, so erklärte Olah, sei in den Akten der Staat- spolizei verzeichnet.118 „Durch die Bespitzelung der verschiedensten Persönlich- keiten hat sie einen Eingriff in die Privatsphäre durchgeführt. […] Ein Spitzel- wesen hat in einer Demokratie aber nichts zu suchen, schloß Olah.“119 Und das beschreibt auch die politische Stoßrichtung von Hinterbergers Roman. Lustvolles Bedrohungsszenarium In ihren Kabarettprogrammen begegnen Carl Merz und Helmut Qualtinger den Bedrohungsszenarien des Kalten Kriegs mit den Mitteln der Satire und nehmen konkreten Bezug auf das Zeitgeschehen.120 Als Beispiel für ihre „sozialpartner- schaftlichen“ und mit antikommunistischen Ressentiments aufgeladenen Kaba- retttexte soll der Sketch Ob wir das noch erleben? 121 (1954) angeführt werden. Das Stück entwirft eine Dystopie, die davon ausgeht, dass Österreich über Nacht in eine Volksdemokratie umgewandelt und in „UdSOeR“ – „Union der sowjeti- schen österreichischen Bundesrepubliken“ – umbenannt wurde. Das totalitäre System wird nach Österreich transponiert und seine möglichen Auswirkungen werden satirisch durchgespielt. Dies hatte durchaus verbreitete Ängste als Hin- tergrund, denn Österreich war aufgrund seiner geographisch exponierten Lage direkt am „Eisernen Vorhang“ besonders von den Entwicklungen des Kalten Krieges betroffen. Das Bedrohungsszenario einer Machtübernahme durch die KPÖ mit Unterstützung der sowjetischen Besatzer wurde angesichts der Ereig- nisse in Budapest (1947), Prag (1948) sowie der ersten Berlin-Blockade (1948), aber auch des sogenannten innerösterreichischen „Oktoberstreiks“ (1950) beson- 117 N.N.: Olah räumt Spitzelnest aus. In: Arbeiter-Zeitung, 29.1.1964, S. 1. 118 N.N.: Jeder dritte Oesterreicher in Staatspolizeiakten. In: Arbeiter-Zeitung, 6.2.1964, S. 1. 119 N.N.: Spitzelakten werden unter Kontrolle vernichtet. In: Arbeiter-Zeitung, 30.1.1964, S. 1. 120 Vgl. Klaffenböck: Zwischen Agitation und Konformismus, S. 154. 121 Carl Merz, Helmut Qualtinger: Ob wir das noch erleben. In: Helmut Qualtinger: Werkausga- be. Hg. v. Traugott Krischke. Bd.  2, Carl Merz und Helmut Qualtinger: ‚Brettl vor dem Kopf‘ und andere Texte fürs Kabarett. Wien: Deuticke 1996, S.  29–45 [Im Folgenden abgek. mit NE]. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 178 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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