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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Die österreichische Furche veröffentlicht hatte. Dort bezeichnet Heer das „KZ als hervorstechendstes Phänomen moderner soziologischer Entwicklung“ und es sei keineswegs auf den Nationalsozialismus beschränkt. Die „geschlos- sene Welt der Konzentrationslager“ sei […] eine gigantische Monade ohne Fenster […] Ein Gegenkosmos, mit seinen eigenen Hierarchien, Stände- und Lebens-, Wert- und Wirtschaftsordnungen. […] Das KZ liquidiert den Menschen als Person und Persönlichkeit, indem es ihn seines Gerichtsstandes beraubt; sowohl nach dem Recht des Dritten Reiches wie auch dem der UdSSR ist kein Richter und kein Urteil mehr nötig, um ein Indivi- duum dem Lager überweisen zu können.3 Heer richtet seine Attacke dann gegen diejenigen politischen Führer, die die Konzentrationslager öffentlich verteidigen und legitimieren. „Dies gilt sowohl für die deutsche wie auch für die an sich von dieser verschiedenen sowjetische Fassung.“4 Und in einer polemischen Parallelisierung nennt er als Apologeten der KZ die NS-Kriegsverbrecher Hermann Göring und Heinrich Himmler einer- seits und Ernst Fischer andererseits. Nicht weniger provozierend ist freilich die Einleitung zu Fischers Antwort, wo zuerst von der Auflösung der letzten sow- jetischen „Internierungslager“ in der DDR berichtet wird, in denen „schwerbe- lastete Nazielemente und schwerer Kriegsverbrechen verdächtigte Personen“5 inhaftiert gewesen seien. Die Gefangenen in sowjetischen Lagern werden somit indirekt als Naziverbrecher diskreditiert. Die Diskussion zwischen dem „intellektuellen Haupt des österreichischen Kommunismus“ (Heer über Fischer)6 und dem „ernstzunehmenden Historiker“ und „gedankenreichen, jungen Schriftsteller“ (Fischer über Heer)7 geht noch über einige Ausgaben der jeweiligen Hauszeitschrift weiter und bildet den öster- reichischen Ausläufer einer internationalen Gulag-Debatte, in die zahlreiche bedeutende Intellektuelle in Europa involviert waren.8 Schon seit den dreißiger Jahren des 20.  Jahrhunderts war die Frage nach der Wirklichkeit der sowjetischen 3 Heer: Welt ohne Fenster, S. 3. 4 Ebd. 5 Fischer: TB diskutiert. Sprechen wir von den Konzentrationslagern. 6 Heer: Das Heil, S. 3. 7 Fischer: TB diskutiert. Sprechen wir von den Konzentrationslagern. 8 Der Begriff „Gulag“ ist ursprünglich eine Abkürzung für das russische „Glawnoje Uprawleni- je Lagerei“, was wörtlich „Hauptverwaltung der Lager“ bedeutet. Spätestens seit Alexander Solschenizyns epochalem Archipel GULAG steht der Begriff für das System der sowjetischen Straf- und Zwangsarbeitslager insgesamt, wie es in seiner zentralen Periode zwischen 1929 und 1956 existierte. Vgl. Alexander Solschenizyn: Der Archipel GULAG. Drei Bände. Bern: Scherz 1974–1976. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 230 6 Österreichische Gulag-Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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