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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Personelle Kontinuitäten Neben der Wiederholung von Handlungselementen (Hauseinsturz, Flucht) oder dem Hinweis auf Parallelen in Ideologie und konkretem politischen Handeln lässt sich in der österreichischen Literatur eine weitere Möglichkeit der kompro- mittierenden Assoziation einer der beiden Seiten im Kalten Krieg mit dem Nati- onalsozialismus finden, nämlich die Darstellung von Figuren, die von Anhän- gern des Hitlerregimes zu Anhängern einer Großmacht des Kalten Krieges werden, ohne dass sie sich dazu besonders verändern mussten. Diese diskursive Strategie wird gerade in offenkundig propagandistisch angelegten Texten gern angewandt. In Leo Katz’ Die Grenzbuben (1950) legt der unsympathisch gezeich- nete Schuldirektor dem sympathischen Lehrer Albert nahe, sich von (kommu- nistischen) politischen Aktivitäten fernzuhalten. Darauf antwortet dieser: Sie, Herr Direktor, müssen in letzter Zeit ihre Ansichten gewechselt haben. Allzu viele Jahre sind noch nicht vergangen, seitdem hierzulande die Nazis herrschten. Und soweit ich mich entsinnen kann, standen Sie den Nazis doch sehr nahe, und Sie haben selbst die braune Uniform, die Sie jetzt am liebsten leugnen möchten  ... (G 208) An dieser Stelle unterbricht der Direktor den Lehrer und beendet das Gespräch. Ganz im Sinne der KPÖ-Propaganda der frühen Nachkriegszeit werden die Kri- tiker des Kommunismus einfach zu unbelehrbaren Nationalsozialisten erklärt (vgl. den Beginn dieses Kapitels). Der personellen Kontinuität des ehemaligen Nationalsozialisten und späteren Antikommunisten in Die Grenzbuben kann die Figur des Polizisten in Carl Merz’ und Helmut Qualtingers Geisterbahn der Freiheit (1959) kontrastierend gegen- übergestellt werden. Dieser deutet an, dass er 1938 vom Anschluss begeistert war, später zeigt er sich von der „Disziplin“ der kommunistischen Jugend eben- so beeindruckt: SOSIA Wir sind nämlich auch aus dem Jugendlager. Man hört Sprechchöre. POLIZIST Und da san Se net bei der Schlußfeier? Es hat schon ang’fangen. Schau’n S’, geh’n S’ eini![...] Das muß man sagen. Da is’ a Disziplin! Eisern  … PETER Und das imponiert Ihnen? POLIZIST Alles, was recht ist: A Organisation haben’s  … Wie s’ da aufmarschiert sein mit de Fahnen  ... Und der Jubel  … wie am Schnürl  … wann i denk’, wie mir so marschiert sein  … 38 … (GF 237  f.) Je nach politischer Stoßrichtung des Textes wird die Hinwendung eines ehema- ligen Nationalsozialisten zum Kommunismus oder Antikommunismus als logi- Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 274 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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