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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 282 -
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Der Wunsch, der deutsche Soldat Stumpf, der mit der unheilbaren Kriegsver- letzung des Kioskbesitzers, dem abgetrennten Bein, auch durch seinen Namen verbunden ist, möge durch die ‚Amerikaner‘ festgenommen werden, erfüllt sich in Fischers Drama nicht. Noch in derselben Szene tritt der unverändert natio- nalsozialistisch gesinnte Stumpf auf und identifiziert sich augenblicklich mit den amerikanischen Kriegszielen im gerade aktuellen Koreakrieg: Stumpf (mit schwarzer Brille, tritt an den Kiosk): Gib mal her! Geht’s gut in Korea? [...] Verkäufer: Gut für wen? Stumpf: Gut für uns. (BB 8) In derselben Szene trifft Stumpf auf seine alte Bekannte Thusnelda, die der Kiosk- besitzer wie folgt charakterisiert: „Mit dem Hakenkreuz eingeschlafen und mit dem Sternenbanner aufgewacht“ (ebd.). Sie nennt den Stadtkommandanten der amerikanischen Besatzungsmacht, der sie als ‚Sekretärin‘, eigentlich aber als Konkubine beschäftigt, „Bob“ und maßt sich aufgrund dieser Bekanntschaft eine Machtposition an. Aber auch Stumpf möchte sie sogleich nach seiner Rückkehr wieder zu seiner Begleiterin machen. Er erhebt außerdem Ansprüche auf das größte Wirtschaftsunternehmen der Stadt, die Seifenfabrik, ehemals arisiertes Eigentum des ermordeten Juden Schwarzschild, dessen Präsident nunmehr der von der CDU gestellte Bürgermeister Holzwurm ist. Auch auf diese Fabrik haben es die amerikanischen Besucher abgesehen. Bill Caldwell, ein amerikanischer Geschäftsmann, möchte diese billig im verarmten Nachkriegsdeutschland auf- kaufen, um sich der Produktionsmittel der Stadt zu bemächtigen, die dann für die Rüstungsindustrie eingesetzt werden sollen. Der zuständige US-General ver- langt parallel dazu die Unterminierung der Brücken, um sich auf den kommen- den Krieg mit dem „Bolschewismus“ (BB 16) vorzubereiten. Die einheimische Bevölkerung hat hingegen ganz andere Interessen: Frieden und Aufbau – dafür steht auch die neu eingeweihte Brücke, deren Sprengung der US-General vorbereitet: „Die Brücken von Breisau wurden im Jahr 1945 von Kriegsverbrechern gesprengt. Die Brückenweihe soll ein Fest des Aufbaus und des Friedens sein.“ (BB 17) Der erhoffte Brückenbau mit Hilfe der USA wird aber in Fischers Drama von dieser Besatzungsmacht sabotiert, da sie das besetz- te Land bedenkenlos einem Krieg gegen die UdSSR opfern würde. Leitmotivisch durchzieht diese Szenen der Ruf der SPD-Stadtratsgattin Schuster nach ihrem Mann („Adolf!“), sodass eine Verbindung zwischen dem von Adolf Hitler aus- gelösten Krieg und einem drohenden weiteren Krieg in Europa hergestellt wird, einem Krieg, der durch die in den Text eingestreuten Medienberichte aus dem Koreakrieg zusätzlich als aktuelle Bedrohung erscheint. Im Laufe der Handlung kristallisiert sich immer stärker die Opposition von Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 282 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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