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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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nehmen wollen, sind sie bereit, den Gegner im Zweiten Weltkrieg nunmehr als Verbündeten anzusehen: Caldwell: […] wir tragen nichts nach. […] In einem fremden Land sperrt man häufig die Falschen ein, bevor man die Richtigen entdeckt. […] Stumpf: Ihr habt den falschen Krieg geführt. Caldwell: Jetzt kommt der richtige. Stumpf: Jetzt braucht man den deutschen Offizier. (BB 56) Ob Hitler angesichts der Doppelbedrohung vieler europäischer Staaten und der USA durch Deutschland und die stalinistische Sowjetunion der ‚richtige‘ Geg- ner für den Westen war, soll auch Winston Churchill nach Kriegsende in Zwei- fel gezogen haben: „‚Wir haben das falsche Schwein geschlachtet‘, lautet eines der bekanntesten Churchill-Zitate in Bezug auf Hitler und Stalin“,78 dessen Authentizität allerdings fragwürdig ist. Am Ende von Fischers Drama steht jedenfalls die Kooperation der USA mit dem Nationalsozialismus. Der Nazi Stumpf wird nun zum offiziellen Vollstre- cker der außenpolitischen Ziele der USA. Militärischer Drill, Internierung poli- tischer Gegner und Antikommunismus werden als verbindende Elemente zwi- schen der „amerikanischen Militärregierung“ und dem Nationalsozialismus ausgestellt, wobei die Figur Stumpf diese Kontinuität herstellt und äußerst pla- kativ greifbar macht. Als Caldwell beschließt, die Brücken nunmehr ohne Pläne zu sprengen, und Stumpf ruft, antwortet dieser prompt: „Heil Truman!“ (BB 68) Das Drama endet damit, dass die amerikanischen Figuren unter Drohungen und gemeinsam mit Stumpf die Szene verlassen, während die Stadtregierung den Forderungen der Bevölkerung, die sich zu einer politischen Bewegung gegen die amerikanische Besatzung formiert hat, nachgeben muss. Ist der ehemalige Wehrmachtsoffizier Stumpf einerseits eine durch und durch negativ gezeichnete Figur, so weist Fischers Drama andererseits auch eine über- raschende Amnestiebereitschaft gegenüber ehemaligen NS-Mitgliedern auf, sofern diese nur „für den Frieden“ sind. So erklärt die Kommunistin Barbara: „Heute wird nicht gefragt, was gestern war. Und wenn er ein Nazi war und bei der SA, wer für den Frieden ist, marschiert mit uns.“ (BB 59)79 Fischers so gar 78 N.N.: Churchills Geheimnisse. Ein elektrischer Stuhl für Hitler. In: Spiegel Online. Panora- ma. 1.1.2006. http://www.spiegel.de/panorama/churchills-geheimnisse-ein-elektrischer-stuhl-fu- er-hitler-a-393053.html, [zuletzt aufgerufen 21.8.2013]. 79 Vgl. Jürgen Egyptien: Der lange Schatten des Stalinismus. Ernst Fischers literarisches Werk der fünfziger Jahre und die beginnende Entdogmatisierung seines ästhetischen Denkens. In: treib- haus. Jahrbuch für die Literatur der fünfziger Jahre  10 (2014): Österreich, S.  117–131, hier S.  117 u. 124. Egyptien weist auch auf das antisemitische Konzept des Antikosmopolitis- mus bei Fischer hin. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 284 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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