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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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sie – wenn die UdSSR in Schach gehalten werden konnte – ein neues, kriegslo- ses Zeitalter unter einer einheitlichen Weltregierung einleiten könnte.73 Die positive Konnotation, die der Atombombe während dieser Zeit zukam, machte sie als technisches Wunderwerk genießbar. Den Atombombentests vom 1. und 25.  Juli 1946 nahe dem Bikini-Atoll eignete laut Stölken-Fitschen ein „[s]pekta- kelhafte[r] Charakter“.74 Den Hunderten von eingeladenen Journalisten wurde „die größte wissenschaftliche Vorstellung der Welt [geboten], veranstaltet von den Vereinigten Staaten mit der Atombombe als Star“75 – verkündete eine ame- rikanische Presseagentur. Drei Wochen später benannte Louis Réard einen Bade- mode-Zweiteiler für Damen nach dem Atoll, der ebenso sensationell wirken soll- te. Die ungeheure Macht der Atombombe erzeugte offenbar auch Genuss, wie Psychologen schon 1950 feststellten.76 Lust gepaart mit der Angst vor der katas- trophalen Wirkung, diese doppelte Signatur der atomaren Bedrohung als Faszi- nosum und Grauen ist es, die innerhalb des zeitgenössischen Diskurses häufig in mythologischen und religiösen Bildfeldern festzuhalten versucht wurde. 77 Prometheus, Frankenstein, Faust und Zauberlehrling: Der Mensch als göttlicher Dilettant Der US-amerikanische Journalist William  L. Laurence, der 1945 und 1946 vier von den USA initiierten Atombombentests beiwohnte, vergleicht deren Gewalt mit dem von den Göttern geraubten Feuer des Prometheus: In jenem unendlich kleinen Bruchteil der Zeit [als die Atombombe detonierte], hatte Prometheus seine Fesseln gesprengt und ein neues Feuer auf die Erde ge- bracht, ein Feuer, das dreimillionenmal gewaltiger war als das, was er den Göttern zum Wohl der Menschheit vor undenklichen Zeiten entrissen hatte.78 73 Vgl. Boyer: By the Bomb’s Early Light, S. 34  f. 74 Stölken-Fitschen: Der verspätete Schock, S. 144. 75 Ebd. 76 Vgl. ebd., S. 144  f. 77 „Das halbe Jahrhundert dieses sogenannten ‚Atomzeitalters‘, [...] bewegte sich, zumal in der Frühphase, ganz in einem Hochspannungsfeld zwischen apokalyptischen Horrorszenarien auf der einen Seite und religiös verbrämten Utopien paradiesischer Zustände andererseits.“ Ulrich Krökel: „Bombe und Kultur“. Künstlerische Reflexionen über die Atombombe von Hiroshima bis Černobyl. In: Michael Salewski (Hg.): Das nukleare Jahrhundert, S.  188–216, hier S.  188. Friedrich Dürrenmatt soll angemerkt haben, dass in „diesem wundervollen Pilz, der da auf- steigt und sich ausbreitet, makellos wie die Sonne“ „Massenmord und Schönheit eins werden“. Schmid: Im Schatten der Atombombe, S. 6. 78 William L. Laurence: Dämmerung über Punkt Null. Die Geschichte der Atombombe. Inns- bruck: List 1948, S.  21. Orig.: Dawn over zero. The story of the atomic bomb (1946). Atomfaszination und Atomangst 317
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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