Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 333 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 333 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Bild der Seite - 333 -

Bild der Seite - 333 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text der Seite - 333 -

Doch wann dann sowas aberfallt!  ... Na, und der Stefansturm? [...] Stelln S Ihnen vur, Sie schlafen grad, da kitzelt Ihna wer mit so an Geigerapparat. Nana, mei liaber Herr – i wer net radioaktiv. I bin ka bleder Fisch. Und wann i so an Lumpen triff, glaubn S mir, daß i n derwisch!117 Das Gedicht beginnt programmatisch damit, die ‚Politik‘ auszuklammern. Die sprechende Instanz interessiert sich nicht für Fragen der staatlichen Organisa- tion, parteipolitische Differenzen oder Programme, sondern für die eigene Ernäh- rung,118 Gesundheit und Privatsphäre sowie für das lokale Lebensumfeld Wien. Diese Haltung ist einerseits satirisch lesbar, da die sprechende Figur die Trag- weite der Problematik offenbar nicht voll erfasst.119 Andererseits steht das „Bas- senaparlament“ für eine Politik der kleinen Leute, die sich im Alltag an der Bas- sena treffen und an staatspolitischen Parlamentsbesprechungen wenig Interesse haben. So wird versucht, auch die unpolitische Wiener Bevölkerung für die Atomprotestbewegung zu sensibilisieren. Die im Gedicht erwähnten Motive von Wind, Wolke und Fisch verweisen auf die massive Bedrohung der Natur, die eben nicht nur politisch interessierte Per- sonen betrifft. Das Auftauchen eines Fisches am Ende von Hofbauers Gedicht scheint zunächst zufällig. Bei der Lektüre verschiedener literarischer Texte aus dem diskursiven Umfeld finden sich freilich auffällig viele Fische, aber auch Vögel. Wolfgang Weyrauch schreibt in seinem Gedicht Die japanischen Fischer (1956) von einem Vogel, dem „das Gespenst von Bikini“ „einen Garaus machte“120 und 117 Friedl Hofbauer: Bassenaparlament. In: Tagebuch 9 (1954) H. 17, 28.8.1954, S. 4. 118 Bei dem Vorfall von Bikini im März 1954 war besonders auch die Kontamination von Nahrung für die japanische Bevölkerung bedrohlich. Zwischen dem 16.  März und dem 30.  April 1954 mussten 213.000 Pfund (rd. 97.000 kg) Fisch vernichtet werden. Vgl. Stölken-Fitschen: Atom- bombe und Geistesgeschichte, S.  95. 119 Darin erinnert die sprechende Instanz in Hofbauers Gedicht an Qualtingers Herrn Karl, der die Atomthematik gerade als Österreicher ausblenden zu können glaubt: „i hab kan Kontakt mit der Atombomben. Es ist außerhalb meines Interessengebietes ... Ich überlaß das anderen Menschen. Ich bin nur ein kleiner Österreicher innerhalb einer unabhängigen Nation  ...“. Qual- tinger: Der Herr Karl, S.  184. 120 Wolfgang Weyrauch: Die japanischen Fischer [1956]. In: Ders.: Gesang um nicht zu sterben. Neue Gedichte. Hamburg: Rowohlt 1956, S.  50–52, hier S.  52. Weyrauch schrieb auch ein berühmtes Hörspiel mit dem Titel Die japanischen Fischer (UA: Mai 1955; Druck: Sinn und Form  8 (1956) H.  3, S.  373–402). Anti-Atom = Politik? Die feinen Unterschiede im Friedenskampf 333
zurück zum  Buch Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges