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Doch wann dann sowas aberfallt! ...
Na, und der Stefansturm?
[...]
Stelln S Ihnen vur, Sie schlafen grad,
da kitzelt Ihna wer
mit so an Geigerapparat.
Nana, mei liaber Herr –
i wer net radioaktiv.
I bin ka bleder Fisch.
Und wann i so an Lumpen triff,
glaubn S mir, daß i n derwisch!117
Das Gedicht beginnt programmatisch damit, die ‚Politik‘ auszuklammern. Die
sprechende Instanz interessiert sich nicht für Fragen der staatlichen Organisa-
tion, parteipolitische Differenzen oder Programme, sondern für die eigene Ernäh-
rung,118 Gesundheit und Privatsphäre sowie für das lokale Lebensumfeld Wien.
Diese Haltung ist einerseits satirisch lesbar, da die sprechende Figur die Trag-
weite der Problematik offenbar nicht voll erfasst.119 Andererseits steht das „Bas-
senaparlament“ für eine Politik der kleinen Leute, die sich im Alltag an der Bas-
sena treffen und an staatspolitischen Parlamentsbesprechungen wenig Interesse
haben. So wird versucht, auch die unpolitische Wiener Bevölkerung für die
Atomprotestbewegung zu sensibilisieren.
Die im Gedicht erwähnten Motive von Wind, Wolke und Fisch verweisen auf
die massive Bedrohung der Natur, die eben nicht nur politisch interessierte Per-
sonen betrifft. Das Auftauchen eines Fisches am Ende von Hofbauers Gedicht
scheint zunächst zufällig. Bei der Lektüre verschiedener literarischer Texte aus
dem diskursiven Umfeld finden sich freilich auffällig viele Fische, aber auch Vögel.
Wolfgang Weyrauch schreibt in seinem Gedicht Die japanischen Fischer (1956)
von einem Vogel, dem „das Gespenst von Bikini“ „einen Garaus machte“120 und
117 Friedl Hofbauer: Bassenaparlament. In: Tagebuch 9 (1954) H. 17, 28.8.1954, S. 4.
118 Bei dem Vorfall von Bikini im März 1954 war besonders auch die Kontamination von Nahrung
für die japanische Bevölkerung bedrohlich. Zwischen dem 16. März und dem 30. April 1954
mussten 213.000 Pfund (rd. 97.000 kg) Fisch vernichtet werden. Vgl. Stölken-Fitschen: Atom-
bombe und Geistesgeschichte, S. 95.
119 Darin erinnert die sprechende Instanz in Hofbauers Gedicht an Qualtingers Herrn Karl, der
die Atomthematik gerade als Österreicher ausblenden zu können glaubt: „i hab kan Kontakt
mit der Atombomben. Es ist außerhalb meines Interessengebietes ... Ich überlaß das anderen
Menschen. Ich bin nur ein kleiner Österreicher innerhalb einer unabhängigen Nation
...“. Qual-
tinger: Der Herr Karl, S. 184.
120 Wolfgang Weyrauch: Die japanischen Fischer [1956]. In: Ders.: Gesang um nicht zu sterben.
Neue Gedichte. Hamburg: Rowohlt 1956, S. 50–52, hier S. 52. Weyrauch schrieb auch ein
berühmtes Hörspiel mit dem Titel Die japanischen Fischer (UA: Mai 1955; Druck: Sinn und
Form 8 (1956) H. 3, S. 373–402).
Anti-Atom = Politik? Die feinen Unterschiede im Friedenskampf 333
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918