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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Seite - 336 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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In diesem Text werden erst nach langen Ausführungen über die Gefahren der Atombombentests für alle Lebewesen auf subtile Weise politische Anschauun- gen eingebracht, indem den USA als einziger großer Atomwaffenmacht und der Fraktion Adenauers in der BRD unterstellt wird, sich nicht ausreichend im Kampf gegen die Bedrohung zu engagieren. Dem wird dann aber nicht in erster Linie die Sowjetunion gegenübergestellt, sondern vielmehr die „Weltbewegung gegen den Atomtod“,131 bestehend aus Gewerkschaften, sozialistischen Parteien und blockfreien Staaten, dem Papst,132 Atomforschern wie die ‚Göttinger Achtzehn‘ oder der im Zitat genannte Albert Schweitzer. Richard Nilius (=  Nimmerrichter) weist schon 1950 auf die verdeckte KP-Pro- pagandastrategie des Atomwaffenprotests in einem Artikel in der Arbeiter-Zei- tung hin. Er beschreibt unter dem Titel Wahre Geschichten aus fünf Jahren in polemischer Absicht ein Gespräch mit kommunistischen Aktivisten zwischen Tür und Angel. Die Aktivisten erkundigen sich: „‚Sind Sie für den Frieden?‘/ ‚Ah freilich!‘, sage ich. / ‚Und gegen die Atombombe?‘ / ‚Sogar gegen gewöhnli- che Schießgewehre. Und gegen alles Militär.‘“133 Der Ich-Erzähler soll daraufhin eine Friedensresolution unterschreiben, weigert sich aber, weil diese sich nicht gegen das sowjetische Militär richtet. Die darauffolgende beredte Propaganda der Aktivisten, die ihn umstimmen soll, quittiert er schließlich mit: „Es ist, als ob ich auf meinem Radio versehentlich die Russische Stunde eingestellt hätte.“ Diese kurze Erzählung hat ihre Pointe darin, dass der Ich-Erzähler den Unter- schied zwischen dem Bekenntnis zu Frieden und atomarer Abrüstung und den Zielen der kommunistischen Friedenspropaganda aufdeckt. Pointiert wirkt dies aber erst vor dem Hintergrund des zeitgenössischen Diskurses, in dem die Grenz- ziehung zwischen kommunistischer Friedenspropaganda und parteipolitisch ungebundenem Engagement für den Frieden oft schwierig war. Schon die bloße künstlerische Gestaltung eines Atomprotests oder das Engagement für die Anti- atombewegung konnte als gefährliche Nähe zum Kommunismus gedeutet wer- den. In diesem Sinn wurde etwa Ulrich Becher immer wieder als Fellow-Travel- ler verdächtigt, da sich seine Texte wiederholt gegen die atomare Aufrüstung wenden. Seine Novelle Die Frau und der Tod (1949) setzt sich mit der vernichten- den Wirkung der Bomben von Hiroshima und Nagasaki auseinander, die in der Siegesstimmung der USA nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Blick gera- ten konnte. Eine westdeutsche Rezension der Novelle zeigt sich „verstimmt“,134 131 Ebd., S. 14. 132 Vgl. ebd., S. 13. Tatsächlich waren die kirchlichen Vertreter 1957 noch sehr zögerlich in pun- cto Atomprotest, was mit ihrer westlichen Orientierung im Kalten Krieg zu erklären war. Vgl. Gerster: Friedensdialoge im Kalten Krieg. 133 Richard Nilius (= Nimmerrichter): Wahre Geschichten aus fünf Jahren. In: Arbeiter-Zeitung, 8.6.1950, S.  6. 134 Rolf Becker: Amerika, hast du es besser? [Rezension zu ‚Nachtigall will zum Vater fliegen‘ u.a.] In: Neue Ruhr-Zeitung [Essen], 16.9.1951. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 336 8 Die atomare Bedrohung in der österreichischen Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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