Seite - 359 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Bild der Seite - 359 -
Text der Seite - 359 -
Botschaft beinhalten, die sich aber nicht entschlüsseln lässt: „Die volle Verant-
wortung für diese Maßnahme trifft den Feind - - - Heidehopsassa, heidehopsas-
sa ... Was macht Tante Ute mit ihrer Schute im Böhmerwald? ... Geburtstagsge-
schenk gut angekommen, Torte noch in genießbarem Zustand.“ (FW 131) In
Basils Roman wird nicht nur die Rolle verschlüsselter Funknachrichten im Krieg
deutlich; vielmehr fasst der Roman den Nationalsozialismus als Symbiose von
Gewalt, Absurdität und Dummheit. Die Sinnlosigkeit der kriegswichtigen Nach-
richt im – verlängerten – ‚Dritten Reich‘ korrespondiert der Sinnlosigkeit des
Krieges sowie der NS-Ideologie und des Lebens unter dem NS-Regime. In Wie-
singers Roman erfüllt die Funktechnik, ebenso wie die „Atombiologie“ nur die
Funktion, einer auf Unterhaltung abgestellten Handlung zusätzlich Aktualität
zu verleihen, während politische oder gesellschaftskritische Intentionen nicht
aufzufinden sind.
Die Kompartmentalisierung des Atomgeheimnisses
Um technisches Wissen vor unrechtmäßigem Zugriff zu schützen, wurden im
Kalten Krieg Maßnahmen zur „Kompartmentalisierung“37 von Wissensbestän-
den durchgeführt:
Eine der wichtigsten Geheimhaltungsmaßnahmen, die [der militärische Leiter
des Manhattan Project Major Leslie R.] Groves durchzusetzen suchte, [...] zielte
darauf, dass jeder Forscher und jeder Ingenieur nur soviel wissen durfte, wie er
brauchte, um seine Arbeit zu tun.38
Nach Horn existiert dieser Umgang mit Wissen erst seit der Entwicklung der
Atombombe. Wiesingers Erzählung, die sechs Jahre danach erscheint, geht damit
bereits ganz selbstverständlich um. Der FBI-Agent Bobby Smith soll für die
Sicherheit eines rätselhaften Bauprojektes sorgen und horcht den Bauleiter nach
technischen Detailinformationen aus, um eine eventuelle Sicherheitslücke fest-
zustellen: „Bobby fürchtet, da es Art der Ingenieure ist, jedermann ihr Wissen
bekanntzugeben, das[s] der Bauleiter [es zu] sehr verbreitet [sic!]. Er fragt schnell:
‚Dürfen Sie denn so ohne weiteres jedem Menschen diese technischen Details
erzählen?‘“ (GS 12) Der Bauleiter beruhigt ihn:
[Wir] haben [...] genaue Richtlinien, was wir sagen dürfen und was nicht. [...] Und
schließlich: Keiner von uns weiß alles von diesem Bau. Und das Wichtigste: Ueber
37 Horn: Der geheime Krieg, S. 388.
38 Ebd. Spionage als Unterhaltung 359
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918