Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 363 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 363 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Bild der Seite - 363 -

Bild der Seite - 363 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text der Seite - 363 -

Tendenz auf eine antikommunistische Tendenz umgefälscht. Die Diktatur durfte nicht zum Tragen kommen. Antikommunismus immer.43 Der politische Standort Wiesingers, dem ein „Hang zum Mystifizieren und zum Stilisieren der eigenen Biografie“44 nachgesagt wird, ist allem Anschein nach nicht eindeutig fassbar, veränderlich und wohl auch durch Opportunismus bestimmt, wie Walter Wippersberg andeutet: Schon 1956 produziert die Sendergruppe Rot-Weiß-Rot in Linz Wiesingers ers- tes Hörspiel „Wunderstadt in Afrika“, das die Rassentrennung in Südafrika an- prangert, aber einen kapitalistischen Amerikaner unglaublich positiv zeichnet, ein Zugeständnis offenbar an die Tatsache, daß Rot-Weiß-Rot ein amerikanischer Sender ist.45 Wiesinger versuchte offensichtlich, vornehmlich mit Weigels Hilfe, in der pro-westlich gesinnten Kulturszene zu reüssieren. Sein „antikommunistisches“46 Drama Der Poet am Nil (UA: 20. November 1951, Laienbühne „Scheinwerfer“ der Volkshochschule Linz)47 wurde etwa im amerikanischen Sektor der Stadt Linz aufgeführt.48 1953 war er an der Organisation des „Linzer Kellertheaters“ beteiligt, das im örtlichen Amerikahaus Aufführungen zeigte.49 Weiters publi- 43 Karl Wiesinger: Das boshafte Schweigen – die Waffe des österreichischen Reaktionärs. Erfah- rungen eines Autors. In: Weg und Ziel. Monatsschrift für Theorie und Praxis des Mar- xismus-Leninismus  33 (1975) H.  1, Jänner, S.  46–48, hier S.  48. 44 Wippersberg: Ausgegrenzt, totgeschwiegen und diffamiert?, S. 76. 45 Ebd., S. 81. Vgl. Schnalzer-Beiglböck, S.  158. Die Sendergruppe Rot-Weiß-Rot war zu diesem Zeitpunkt bereits in den ORF überführt, das Hörspiel wurde von der Landesstelle des ORF in Linz gesendet. 46 Wiesinger schreibt in einem Brief an die Redaktion von Der Monat, dessen Durchschlag er Hans Weigel zukommen lässt: „Der Poet am Nil ist antikommunistisch und die Situation ‚spricht dagegen‘“. Karl Wiesinger an die Redaktion des „Monat“, Briefdurchschlag an Hans Weigel vom 25.6.1952. In: Wienbibliothek, Nachlass Hans Weigel, Archivbox  38. Wiesinger beschwert sich hier, dass sein antikommunistisches Drama im Theater an der Josefstadt nicht angenommen wurde und unterstellt politische Gründe. Er inszeniert sich in diesem Brief als flammender Antikommunist, der das „Blutrot der Volksdemokratien“ anprangert. Seine Verteidigung Wei- gels gegen den sozialdemokratischen Autor und Journalisten Felix Hubalek bleibt in politischer Hinsicht jedoch verwunderlich, da die SPÖ im Allgemeinen einen scharf antikommunistischen Kurs fuhr. 47 Vgl. Schnalzer-Beiglböck: Karl Wiesinger, S. 62. 48 Vgl. Wippersberg: Ausgegrenzt, totgeschwiegen und diffamiert?, S. 79. 49 Vgl. Schnalzer-Beiglböck: Karl Wiesinger, S. 54. Wiesinger bedankt sich in einem Brief vom 28.3.1953 bei Weigel, dass er ihm eine Lesung im amerikanisch finanzierten Kosmostheater ermöglicht habe. Vgl. Karl Wiesinger an Hans Weigel, Brief vom 28.3.1953. In: Wienbibliothek, Nachlass Hans Weigel, Archivbox  38. Spionage als Unterhaltung 363
zurück zum  Buch Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges