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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 372 -
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Unbekannten, die über die Donau zu schwimmen versuchten und erschossen wurden, mit Ungarn verbunden. Der spätere Fährmann, Janos Tschamper, kommt aus diesem dämonischen, bedrohlichen Reich und ist auf geheimnisvolle Weise immer noch damit verknüpft, was ihn als ‚Spion‘ verdächtig macht. Ein Gast, der im Gasthof einkehrt, begegnet ihm spontan feindlich: „Drüben, da braucht man Sie! (Zeigt nach drüben) Dorthin ziehen Sie wieder. Kamen ja von dort. – Spion.“ (DB 220) Tschamper wehrt sich gegen die Anschuldigung und versichert, mit der „Hölle“ (DB 221) auf der ande- ren Seite nichts mehr zu tun haben zu wollen. Seine „Dämonenhaftigkeit“ (DB 224) bleibt aber im weiteren Stückverlauf virulent. Dieses ominöse Dämonische wird explizit mit dem Kommunismus assoziiert. Über eine mit dem Kommunismus sympathisierende Lehrerin, die der Atmosphäre wegen an die ungarische Grenze gezogen ist, erklärt die Gastwirtin Ilse Pfadenhauer: „Ein so rotgefleckter Papagei; ist ganz für drüben, in ihrer Phantasie wenigstens. Unsichtbare Strahlen, die von drüben zu uns herschwirren, durchzücken sie, meint sie. Sie liebt das Atmosphä- rische da an der Grenze.“ (DB 212) Diese Lehrerin betrachtet Tschamper allerdings als Überläufer: „Tschamper ist in meinen Augen ein Abtrünniger geworden, ein Renegat! [...] Wird man’s ihm drüben wohl verübeln.“ (DB 232) Tatsächlich sieht sich Tschamper im weiteren Handlungsverlauf noch mit Forderungen von ‚Drüben‘ konfrontiert. Ein Bote, „dem das ‚Drüben‘ im Geha- ben, in der Kleidung anzumerken ist“ (DB 239), erinnert ihn an seine Vergan- genheit: Täten dich die drüben aber gern sehen, Tschamper! Zur Verantwortung ziehen. Hast, sagt man – nicht ich – deine Mission nicht erfüllt, bist ins andere Lager hinüber – zum Szörök, dem Millionär, zu den Kapitalisten. [...] Du, du Verräter! Du Verkehrter! (DB 241) Schließlich versuchen der Fährmann Loth, dessen Status als Lebender oder Toter unklar ist, und „[e]in halbes Dutzend fremd aussehender Männer“ (DB 281) Tschamper zurückzuholen. Als er zu fliehen versucht, wird er erschossen. In Billingers Drama erweckt der Spion, der im Auftrag einer dunklen, dämo- nischen Macht handelt, Angst bei der Bevölkerung im Westen, jedoch hat er selbst diese Macht zu fürchten, wenn er seinen Auftrag nicht zur Zufriedenheit erfüllen kann. Diese doppelte Besetzung der Spionage mit Bedrohung und Angst deckt sich mit den beiden einander bedingenden Momenten, die laut Horn den Staatsterror ausmachen, „einerseits der paranoiden Angst des Staates vor seinen Feinden – andererseits der Paranoia der Bürger in Bezug auf die staatliche Macht“.73 Tschampers Dämonie ist Ausdruck der Angst vor dem Feind, der aus 73 Horn: Der geheime Krieg, S. 394  f. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 372 9 Spionage
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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