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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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barkeit des Feindes zu, die daher rührt, dass der Spion unerkannt bleiben muss und keine äußeren Merkmale die innere Konspiration mit der anderen Seite verraten.77 Douglas Field spricht für die USA seit dem Beginn des Kalten Krie- ges von einem „continuing struggle to identify and detain these ‚shadowy, entren- ched enemies‘“.78 Die Unsichtbarkeit der ideologischen Ausrichtung einer Person ergo des kommunistischen Spions, aber auch die Frage der ideologischen Mani- pulation insgesamt werden zur Quelle von verbreiteten Ängsten in den USA zur Zeit des Kalten Krieges.79 Die Latenz und Ungreifbarkeit der Bedrohung durch echte oder vermeintliche Spionage bilden ein Kontinuum des Kalten Krieges.80 Diesen Umstand hat Karl Bruckner in seinem Jugendroman Nur zwei Robo- ter? (1963) präzise gefasst. Im Zentrum dieses Romans steht ein Wettrennen der beiden großen Kalten-Kriegs-Mächte um die Gunst der Weltbevölkerung, also ein kultureller Kalter Krieg, der um die Hirne und Herzen der Bevölkerungen der beteiligten Nationen geführt wird. Eine große Weltausstellung steht bevor und beide Großmächte wollen sich durch die Konstruktion eines menschenähn- lichen Roboters hervortun. Das Wissen um den technologischen Entwicklungs- stand des gegnerischen Roboterprojektes kann den entscheidenden Vorteil brin- gen. Deshalb wird ein sowjetischer Agent beauftragt, die streng bewachten Pläne des US-Projekts zu beschaffen. Dieser Agent wird als perfekt getarnter, sozusagen unsichtbarer Feind beschrieben: „Er unterschied sich also von den Männern rundum ebensowenig, wie eine Konservendose in einem Stapel von hundert anderen gleicher Art sich unterscheidet.“ (ZR 12) Der äußeren Unauf- fälligkeit steht eine innere Andersartigkeit gegenüber: [I]n dieser Zeit hatte sich die völlige Wandlung des Sowjetbürgers Lichatschow zum amerikanischen Durchschnittsbürger Jonson vollzogen. Die äußerliche Wandlung – nicht eine innerliche, eine seelische. Denn seine Seele gehörte Ruß- 77 Vgl. Engelhardt: The End of Victory Culture, S. 98. Alan Nadel: Cold War Television and the Technology of Brainwashing. In: Field (Hg.): American Cold War Culture, S.  146–163. Vgl. auch Brian Diemert: Uncontainable Metaphor. George  F. Kennan’s ‘X’ Article and Cold War Discourse. In: Canadian Review of American Studies/Revue Canadienne d’Etudes Américaines  35 (2005) H.  1, S.  21–55, hier S.  34. 78 Douglas Field: Introduction. In: Ders. (Hg.): American Cold War Culture, S. 1–13, hier S. 2. 79 Marcus M. Payk konstatiert eine Zunahme der Angst vor dem unsichtbaren, inneren Feind in Vertretern des Spionagegenres der westlichen TV-Kultur der 1960er-Jahre. Vgl. Marcus  M. Payk: The Enemy Within. (De)Dramatizing the Cold War in U.S. and West German Spy TV from the 1960s. In: Annette Vowinckel, Marcus  M. Payk,. Thomas Lindenberger (Hg.): Cold War Cultures. Perspectives on Eastern and Western European Societies. New York, Oxford: Berghahn 2012, S.  94–111. 80 Vgl. Brian Diemert: The Anti-American. Graham Greene and the Cold War in the 1950s. In: Andrew Hammond (Hg.): Cold War Literature. Writing the Global Conflict. New York: Rout- ledge 2006, S.  212–225, hier S.  213. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 376 9 Spionage
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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