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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 379 -
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Schilderung gesellschaftlicher und politischer Verhältnisse, unter denen halbwegs normale Bürger zu Kriminellen werden.82 Diese Verhältnisse sind jene der unmittelbaren Nachkriegszeit in Österreich, die von der Besatzung durch die Alliierten, den Zerstörungen des Krieges, Woh- nungsnot, akutem Lebensmittelmangel und einem florierenden Schwarzmarkt geprägt war. Die Vertreter der Besatzungsmächte verfügten über Güter und Machtbefugnisse, welche die österreichische Bevölkerung dringend brauchte, und konnten diese so instrumentalisieren. Mit diesem Umfeld hatten die Auto- ren selbst Erfahrungen gesammelt. Dor behauptet, dass er und Federmann „die Welt der kleinen und großen Schieber kannten“83 und konkreter, dass Federmann im Rahmen der Arbeit für die Kulturredaktion einer Zeitschrift des französi- schen Informationsdienstes auch ein Angebot für Informationsbeschaffung aus sowjetisch kontrollierten Gebieten erhalten habe.84 Die Arbeiter-Zeitung kritisiert wiederholt die Ausgeliefertheit der öster- reichischen Bevölkerung und das „Faustrecht fremder Besetzung“85. Die inten- siven Aktivitäten der Geheimdienste in Österreich hätten „gar nichts mit dem Besatzungszweck zu tun“, sondern seien nichts anderes „als eine Form des ‚kal- ten Krieges‘, den die Besatzungsmächte auf unserem Boden gegeneinander füh- ren – aber zu unserem Schaden und auf unsere Kosten.“ Schon 1948 hatte sich dieselbe Zeitung entschieden gegen die Verhaftungen von „Spionen“ auf öster- reichischem Boden verwehrt. Sie fragt rhetorisch: „Kann es und darf es in Öster- reich militärische Geheimnisse geben, die irgendeinen Kundschafter, einen Spi- on welcher Macht immer, interessieren können?“86 und grenzt sich dann gegenüber den militärischen Zielen der Besatzer ab: „Die Großmächte mögen es für notwendig halten, sich gegeneinander durch wachsende Aufrüstung zu schützen. Wir haben damit nichts zu tun.“ Dor und Federmann hatten nach Angabe Dors von Franz Kreuzer, einem Reporter der Arbeiter-Zeitung, Material erhalten, das sie für ihre Romane 82 Milo Dor: Nachwort. In: Dor, Federmann: Und einer folgt dem anderen, S. 187–189, hier S. 187. 83 Dor: Nachwort. Und einer folgt dem anderen, S. 188. 84 Vgl. Dor: Auf dem falschen Dampfer. 85 N.N.: Exterritoriale Unterwelt. In: Arbeiter-Zeitung, 12.1.1950, S. 1  f., hier S.  1. Folgende Zitate ebd. 86 N.N.: Spionage in Österreich? In: Arbeiter-Zeitung, 23.6.1948, S. 1  f., hier S. 1. Folgende Zitate ebd. In dem Artikel wird auch die Möglichkeit eingeräumt, dass es tatsächlich keine Spi- onage in Österreich gibt, jedoch unter diesem Schlagwort unzulässige Verhaftungen politischer Oppositioneller durch die sowjetischen Behörden vorgenommen werden. Politische Unterhaltungsliteratur? 379
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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