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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Nazi-Deutschland gegen Kriegsende entwickelt wurde, und das das Opfer nach dem Krieg an verschiedene Geheimdienste zu verkaufen versuchte. Einer der Mittelsmänner war jedenfalls ein gewisser Dr.  Lutz, der Mörder von Blanche Mandler. Zur selben Zeit berichtet die Arbeiter-Zeitung auch von einem Pro- zess vor einem amerikanischen Gericht in München, bei dem sechs Angeklagte, darunter ein ehemaliger NS-Funktionär, beschuldigt wurden, Zielgeräte für Düsenjäger als Kriegsmaterial einer „ausländischen Macht“ angeboten zu haben.92 Für den Spionagediskurs besonders interessant ist die finale Pointe von Und einer folgt dem anderen. Das Zentrum all der geschilderten Recherchen, Verfol- gungen, Überfälle und Morde ist leer, ein schon einmal angewendetes Täu- schungsmanöver. Die Hysterie und die Verselbständigung der geheimdienstli- chen Tätigkeit, die Spekulationen über den Feind, seine nächsten Züge, sein Wissen oder Nicht-Wissen, wie sie diese Phase des Kalten Krieg kennzeichnen, werden hier auf geradezu paradigmatische Weise deutlich gemacht. „‚Psychose‘, sagte Mr. Robson lächelnd. ‚Sie wissen gar nicht, worum es sich handelt, und bringen einander schon um. Um nichts. […]‘“ (EFA 175) Eine Diagnose, die Horn in ihrer Studie über den „Geheimen Krieg“ über fünfzig Jahre später ganz ähnlich stellt. Weil der Konflikt der Großmächte aufgrund der Atomwaffen nicht als realer Krieg auszutragen war, sei der „Geheime Krieg“ an seine Stelle getre- ten, verselbständigt und nunmehr ohne realen Gehalt.93 In Internationale Zone wird der Kampf zwischen mehreren Schmugglerban- den geschildert, die sich mit den Besatzern arrangiert haben. 94 Damit wird die Problematik der uneinheitlichen Machtausübung durch die Besatzer in Öster- reich angesprochen. Einheimische konnten von Seiten einer Besatzungsmacht zu kriminellen Aktivitäten wie Menschenhandel bewegt, zugleich aber damit erpresst werden, da andere Besatzungsmächte diese Handlungen bestrafen konn- ten. Ein wichtiges Ziel der Besatzungsmächte war schon kurz nach Kriegsende die Sammlung von Informationen über die anderen Besatzungsmächte, wobei ihnen einerseits die Vierteilung des Territoriums entgegenkam, andererseits aber auch Frontstellungen an den Zonengrenzen, vor allem zwischen der sowjeti- schen Zone und denen der westlichen Besatzungsmächte entstanden.95 Wien wurde so „für östliche Nachrichtendienste das ‚Tor zum Westen‘ bzw. umge- 92 Vgl. Arbeiter-Zeitung, 11.1.1950, S. 2. 93 Vgl. Horn: Der geheime Krieg, S. 312. 94 Zum Zigarettenschmuggel soll Dor Ende der Vierzigerjahre selbst Beziehungen gehabt haben. Vgl. Herbert Eisenreich: Werter Herausgeber! In: Peter Grünauer (Hg.): Das große kleine Dorf aus dem wir stammen. Für Milo Dor. Wien: Ed. Maioli 1983, S.  29–38, hier S.  29. 95 Dieter Bacher: Die KPÖ und die sowjetischen Nachrichtendienste. In: Karner, Stelzl-Marx (Hg.): Stalins letzte Opfer, S.  189–203, hier S.  189. Politische Unterhaltungsliteratur? 381
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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