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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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urgisch einzugreifen. In einem Brief an Koestler im September 1951 zeigt sich die sprachliche Gewalt Torbergs, indem er die jüdische Exilantin Spiel mit einer Nazi-Metapher als „Filzlaus“16 bezeichnete, nur weil sie seinen Attacken auf alle, die sich nicht lautstark vom Kommunismus distanzierten, widersprach.17 „Versuchungen des Messers“ Die Möglichkeit des Einsatzes von Mitteln wie Polemik, Beleidigung, Verächt- lichmachung und Denunziation übte im Kalten Krieg nicht nur auf kommunis- tische Intellektuelle wie Jean-Paul Sartre, sondern auch antikommunistische wie Arthur Koestler und Friedrich Torberg, große Anziehungskraft aus, die Elisa- beth Prinz mit Bezug auf die Metaphorik der Chirurgie „Versuchungen des Mes- sers“18 nennt. So wurde von antikommunistischen Intellektuellen die „Krankheit des Totalitarismus“19 diagnostiziert und durch politische Maßnahmen bekämpft, womit sie sich ebenso Deutungsmacht anmaßten wie die Verfechter und Ver- fechterinnen der sowjetischen Ideologie, die Feinde des kommunistischen Sys- tems als Parasiten, zersetzende Krankheitserreger oder Krankheiten fördernden Schmutz und damit als bekämpfenswert stigmatisierten. Koestler, der in seinem Roman The Age of Longing (1951) Fellow-Traveller als Syphilitiker, Ungeziefer („vermin“) oder Spinnen bezeichnet,20 wurde für seine Aneignung von Methoden des Gegners, die er als vormaliger Kommunist kannte, auch kritisiert: James Burnham und Koestler „now try to whip us up into an active crusade against Communism, using Communism’s weapons“.21 Auch im kommunistischen Tagebuch bediente man sich der Methode der Patho- logisierung der politischen Gegner. Kostlers Bücher, hieß es dort etwa, „wurden in Millionen Exemplaren verbreitet, wobei niemand fragte, wo die niedrige Spe- kulation auf Erfolg um jeden Preis die Grenzen des Pathologischen überschritt“.22 Wie die Kalte-Kriegs-Forschung zeigt, wurde in westlichen Staaten die meta- phorische Darstellung von kommunistisch regierten Staaten und kommunisti- schen Akteuren als Ungeziefer, Krankheitserreger oder andere, den politischen 16 Ebd., S. 145. Grund für die Diffamierung war, dass Spiel die politische Positionierung Thomas Manns und Berthold Viertels nicht entschieden verurteilen wollte. 17 Zur Auseinandersetzung Torberg – Spiel vgl. ausführlich Michael Hansel: ‚...  ein Lackerl Gei- fer zu erzeugen‘, S.  126–130. 18 Prinz: Im Körper des Souveräns, S. 26–28. 19 Ebd., S. 30. 20 Caute: Politics and the Novel during the Cold War, S. 128. 21 Edward Crankshaw: Russia by Daylight. London: Joseph 1951, S. 239. 22 N.N.: Von Monat zu Monat. In: Österreichisches Tagebuch 4 (1949) H. 4, April, S. 16  f., hier S. 17. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 404 10 Feindbilder – Krankheitsbilder
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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