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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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schablonen- und liniengetreu“;38 eine dieser ‚Schablonen‘ ist der Dekadenzvorwurf an die kapitalistische Gesellschaft.39 Der jugoslawische Präsident, der im Drama den Namen Pablo Malabranca trägt, wird als Gegenteil eines Décadents, als vitale, kämpferische Natur, dargestellt. Sein Auftrittstext lautet: „Angekommen, trotz Wind und Wolkenbruch. Der Kerl wollte nicht fliegen, aber wenn ich fliege, wird nicht abgestürzt. Das würde meinen Feinden zu viel Spaß machen.“ (GV 13) Mal- abranca trotzt dergestalt ebenso den Natur- wie den politischen Gewalten. Um seine allzu starke, selbstbewusste Persönlichkeit auch gegen die sowjetische Bevor- mundung durchzusetzen, hat Malabranca laut der streng bipolaren Logik, die das Drama in Szene setzt, nur die Wahl, mit dem Westen zu paktieren. Die Figurenzeichnung markiert westliche Figuren im Gegensatz zur schema- tischen Zeichnung der bärenjagenden, vom Widerstandskampf gestählten Jugo- slawen als dekadent. So erklärt der englische Major Robin Leslie: „Mit uns stirbt eine Welt, das ist wahr. Aber im Fieber des Todes wachsen uns Riesenkräfte. Wir sind ansteckend.“ (GV 8) Er räsoniert immer wieder über den bevorstehenden Untergang seiner eigenen kapitalistischen „Klasse“ und den des Westens: „Es ist ein sonderbares Gefühl, einer untergehenden Klasse in einem untergehenden Weltreich anzugehören.“ (GV 27) Die amerikanische Journalistin Annabell Stimp- son wird von einer einfachen Frau aus dem jugoslawischen Volk als „angestri- chenes Gerippe“ (GV 43) bezeichnet. Das Gerippe deutet als Todesallegorie auf den Verfall westlicher Kultur hin. Robin Leslie nennt Annabell einmal „[d]as grellgeschminkte Nichts“. (GV 19) Auch das Nichts ist mit dem Tod assoziiert. und dem seiner Mitarbeiter, sondern vor allem in der Ausbeutungspolitik, die die Sowjetuni- on gegenüber ihren Satelliten betreibt [...]. Er [Fischer] übersieht dabei unseren Weg, den sozi- alistischen europäischen Weg, den zu einem lebensfähigen und lebenswerten Raum zu ver- breitern die Aufgabe unserer Generation ist.“ Fedor: Der große Verrat. In: Trotzdem [Zeitschrift der Sozialistischen Jugend Österreich]  3 (1950) H.  9, 6.–19.5.1950, S.  3. Dor erwähnt diesen „Verriß“ in seiner Autobiographie. Dor: Auf dem falschen Dampfer, S.  237. Seine dort ausführ- licher gestaltete scharfe Kritik ist aus seinem persönlichen politischen Engagement und seiner Gefährdung, als „Titoist“ in ein Zwangslager gebracht zu werden, nur allzu verständlich. Vgl. ebd., S.  294  f. 38 h.h.h.[= Hans Heinz Hahnl].: Volksdemokratisches Panoptikum. In: Arbeiter-Zeitung, 16.4.1950, S.  7. 39 Fischer verwendet in einem Aufsatz von 1949 die in der Literatur der Jahrhundertwende ver- breitete Thematik der Dekadenz zu politischen Zwecken und proklamiert eine „Verwesung“ des Bürgertums. Vor 1914 sei es eine Aufgabe der Literatur gewesen, „die kompliziertesten Seelenfasern des Herrn Maier [...] bloßzulegen und in dieser flimmernden Zersetzung, in die- ser pathologischen Auflösung der Persönlichkeit die allgemeine gesellschaftliche Verwesung indirekt darzustellen; Schriftsteller, wie Marcel Proust, wie James Joyce, haben sich dieser Auf- gabe mit peinlicher Gewissenhaftigkeit unterzogen und den denkenden Zeitgenossen genü- gend klargemacht, daß diese Bürgerwelt durchaus reif ist, sich in Gas zu verflüchtigen und in Explosionen unterzugehen.“ Ernst Fischer: Kunst und Menschheit. Wien: Globus 1949, S.  10  f. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 408 10 Feindbilder – Krankheitsbilder
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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