Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 424 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 424 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Bild der Seite - 424 -

Bild der Seite - 424 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text der Seite - 424 -

Während die „Untermenschen“ nur als Versuchsmaterial gesehen werden, sollen diese Versuche der Gesundheit der „Menschen“ dienen. Dieser Status ist jedoch leicht zu verlieren, wie der Protagonist erkennen muss, als er in einem Atomkrieg – der Horrorvision des Kalten Krieges – zwischen dem Deutschen Reich und den von Japan unterjochten asiatischen Staaten strahlenkrank wird und sich eingestehen muss, „durch und durch krank“ (FW 361) zu sein. In die- sem Zustand gerät er in Gefahr, als minderwertig eingestuft und dem sicheren Tod überlassen zu werden. Basils Roman zeigt deutlich, dass Krankheit die ande- re Seite der Ideologie ist, die Stärke und Gesundheit mit Aggression assoziiert. So behauptet die Radiopropaganda „daß eine harte, gefährliche Zeit harte Men- schen erfordert, Menschen aus Stahl und Eisen, Menschen mit Eckzähnen, Men- schen mit der Atomkraft und der Laser-Pistole in der Hand.“ (FW 259) Diesel- be Atomkraft vernichtet jedoch im weiteren Handlungsverlauf die zugleich angestrebte Stärke. Wenn das der Führer wüßte erzählt zusammenfassend betrachtet die Geschich- te der Agonie eines ideologischen Systems durch seine eigenen Prämissen, was dadurch symbolisiert wird, dass das Bild Hitlers, das Höllriegl in seiner Woh- nung aufgehängt hat und am Beginn des Romans betrachtet, ins Rötliche ver- gilbt, aber auch der Atompilz, an dessen Strahlung der Protagonist tödlich erkrankt, rötlich scheint: Auf der zweiten Romanseite wird das sich verdunkeln- de Bild des „siech[en]“ Hitler beschrieben: „Zugleich aber, und dieser Eindruck wurde von Mal zu Mal stärker, hatte die nach und nach sich ausbreitende rosa Finsternis etwas vom Flackerlicht eines Brandes.“ (FW 12) Im letzten Teil des Romans erlebt der Protagonist die Atmosphäre nach der nahen Detonation einer Atombombe: Der Himmel hatte sich brandig verfärbt, eine fahle Sonne schwebte wie ein künst- liches Gestirn in den tief dahinfliegenden lavafarbenen Wolken. Die orangene Feuerwand war erloschen – an ihrer Statt hatte sich ein fleckiges Rosa über den westlichen Himmel ausgebreitet. Es war das Rosa des Führerbildes in Höllriegls Wohnung. (FW 308) Der Roman beleuchtet den Untergang des Systems, das zwischen stark und schwach, krank und gesund, wert und unwert in rigider Weise unterscheidet, und gerade darum selbst eine nicht zukunftsfähige Praxis darstellt. Damit greift er die Überreste der NS-Ideologie nach 1945 an, die auch innerhalb der Ideolo- gien der Kalten Kriegs-Mächte teilweise fortwirken oder Äquivalente finden. In einer „kranken, verderbten Welt“ (AT 82) leben auch die Figuren in Fried- rich Heers dystopischem Roman Der achte Tag. Der Text schildert das Leben unter der Herrschaft eines hochgradig zweckrationalisierten Regimes, eines „Totalbetriebes“ (AT 350), das Menschen und Lebewesen als bloße materielle Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 424 10 Feindbilder – Krankheitsbilder
zurück zum  Buch Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges