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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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An diesen Ausführungen wird die seit Frühjahr 1947 zunehmend dualistische Wahrnehmung der Welt aus der Perspektive der Sowjetunion deutlich. Mit „Sozi- alismus“ antizipiert der Text das „Lager der wahren Demokratie, des Fortschritts, des Friedens und des Antifaschismus“, dem das Lager der „kriegshetzerischen, imperialistischen und faschistischen Reaktion mit seinem Wahrheitsrelativis- mus und seiner volksfremden Kultur diametral und unversöhnlich“60 gegen- überstand. In Schdanows Teilung der Welt spiegelte sich auch Stalins Befürch- tung wider, dass sich ein feindliches Bündnis, wie das der ‚blockfreien Staaten‘, welches Tito anstrebte, gegen die Sowjetunion verschwören würde. Dem Stück ist eine starke Anti-West-Polemik eingeschrieben, die in der Erschießung des englischen Spions Robin ihre blutige Realisierung und Klimax findet. Robin erklärt bei seinem ersten Auftritt, dass der Kommunismus dem Kapitalismus „moralisch […] turmhoch überlegen“ sei (GV 8), letzterer jedoch seine Ressour- cen aus einer „glänzende[n], verführerische[n], attraktive[n] Unmoral“ (ebd.) schöpfe und die von den USA propagierte „Freiheit“ als das „Recht des Ameri- kaners“ definiert, „in jedem Land zu tun, was ihm beliebt“. (GV 20) Damit wird der Freiheitsbegriff des Westens nicht nur spöttisch umgedreht, sondern Fischer rechtfertigt damit auch den Mord an dem Spion. Wie Evelyn Deutsch-Schreiner kritisiert hat, würde Fischer damit die „Kunstwirklichkeit des Theaters“ miss- brauchen, um den Mord an Robin als eine Tat zu präsentieren, die positiv ist und zur Identifikation einlädt, jedoch in der „realen Welt nicht vertretbar wäre, weil sie verbrecherisch ist“61. Fischer legitimiere den „politischen Interessens- mord“ durch das Argument, Robin sei ein „überflüssiger“ Mensch und gehöre ohnehin einer dem Untergang geweihten Klasse an.62 Gleichermaßen, wenn auch zeitlich eineinhalb Jahrzehnte früher als Fischers Drama entstanden, unternimmt das Jugendbuch Sally Bleistift in Amerika eine unverhohlene Apologie der jungen Sowjetunion angesichts der sozial prekären Zustände in den USA. Die Parteilinientreue des Buches wird auch daran ersicht- lich, dass es in der DDR zum schulischen Kanon zählte. Lazar selbst lebte ab 1949 in der DDR, wo der Text mehrfach wieder aufgelegt wurde. Es wird hier für Kinder und Jugendliche verständlich verdeutlicht, was Imperialismus im marxistisch-leninistischen Begriffsverständnis bedeutet, nämlich die „unum- schränkte ökonomische und politische Herrschaft der Monopole“ und er wird gleichgesetzt mit einem „faulende[n], parasitäre[n] und absterbende[n] Kapita- lismus“, sodass „die Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse und der Übergang zum Sozialismus zu einer historischen Notwendigkeit wird“.63 60 Hochgeschwender: Freiheit in der Offensive, S. 133. 61 Deutsch-Schreiner: Theater im „Wiederaufbau“, S. 168. 62 Vgl. ebd. 63 Buhr, Kosing: Kleines Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, S. 75. Kommunistische Propaganda-Texte 455
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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