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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Seite - 467 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Spottnamens den Künstlernamen Hans Uwe Hasil annimmt. Nachdem er bei einer Deutschschularbeit Verse Friedrich Schillers dadaistisch bearbeitet hat (aus „der Menschheit Würde ist in eure Hand - -“ extrapoliert er „schnürarsch / arsch“, K 6) und vom Gymnasium geworfen wird, soll er eine Lehre als Maler und Anstreicher absolvieren. Sein Fall wird jedoch dem berühmten Kunstkriti- ker Klaus Böß bekannt, der konstatiert, dass Hasil nicht nur begabt, sondern, dass seine „Verse des Anstoßes […] vom Zeitgeist bestimmt“ wären, die „der Diktatur der Unbegabten den tödlichen Stoß“ versetzen und durch „semanti- sche Kühnheit“ (K 11) brillieren würden. Hasil gewinnt mit einer Erzählung, in der er ganze Abschnitte aus Werken Franz Kafkas abgeschrieben hat, den ersten Preis beim Jugendwettbewerb der literarischen Zeitschrift „Perfektion“ und erlangt damit einige Bekanntheit. An einem Ort an der Grenze, wo er sich zur künstlerischen Kontemplation zurückzieht, wird Hasil, der unabsichtlich die Grenzlinie übertritt, in die VVR verschleppt. Dort als Spion und potentieller Saboteur angeklagt, wird ihm durch einen VVR-General eine Aufgabe zur Bewäh- rung gestellt, nämlich die Überlegenheit der östlichen Kunst über ihren Konter- part im Westen mittels eines neuen „Ismus“ zu beweisen: „Sie werden für uns ein Werk schaffen, ein spektakuläres Werk, ein Meisterwerk, erregend, faszinie- rend, sensationell!“ (K 88) Ansonsten drohe ihm die Liquidierung. So zeigt ihm der General eine Plastik, die seine sechsjährige Tochter aus Kartons angefertigt hat und schlägt ausgehend davon eine neue Art der Bildhauerei vor, mit der die VVR „die Welt noch schockieren, faszinieren, erobern“ (K 98) werde. Die Absicht des VVR-Generals ist es, „der staunenden Welt“ zu beweisen, dass „eine voll- kommene moderne Kunst nur in einer vollkommenen Volksrepublik gedeihen kann“ (K 94). Hasil liefert den geschraubten Namen für diese absurde Schach- telkunst: „Kartonismus“ (K 99). Henz’ Roman überblendet die Kunstkonkurrenz des Kalten Krieges mit einer Abrechnung die modernen Strömungen in Literatur, Musik und bildender Kunst betreffend. Er selbst hat retrospektiv festgehalten, dass er mit dem Kartonismus, „den Kasperln und Wort- und Bildhutschenschleudereren auf die Zehen getre- ten“14 wäre. Von seinem Kunstverständnis her traditionell eingestellt, zählte er zu jenen, die die Fäden im Literaturbetrieb der Nachkriegszeit fest in der Hand hielten und neueren Strömungen in der österreichischen Literatur ablehnend gegenüberstanden, wovon nicht nur seine langjährige Herausgeberschaft der offiziösen, vom Bundesministerium für Unterricht geförderten Literaturzeit- schrift Wort in der Zeit (1955–1965) zeugt. Als Gründer der „Katholischen Aktion“ und langjähriges Mitglied des „Österreichischen Kunstsenats“ zählte er zu jenen Exponenten des Kulturbetriebs, die die katholisch-konservativen Rah- menbedingungen konstituierten, mit denen sich österreichische Künstler in der 14 Rudolf Henz: Fügung und Widerstand. 2.,  erw. Aufl. Graz, Wien, Köln: Styria 1981, S. 352. Freiheit und Doktrin: Abstraktion vs. Sozialistischer Realismus 467
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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