Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 486 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 486 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Bild der Seite - 486 -

Bild der Seite - 486 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text der Seite - 486 -

seine Belegschaft bewilligten oder stimmten gegen Veröffentlichungen von Tex- ten, die die Verlage einsandten, unterhielten Informantinnen und Infromanten in der Verlagsindustrie, auch derjenigen Verlage, die als politisch links orientiert galten, sodass Hoover über Bücher mit vermeintlich subversivem Inhalt sofort Bescheid wusste: Hoover feared that the modernist writers were participating in a movement to de- stabilize American democracy; that modernism was seditious; that it could spoil everything that was good and clean about the nation and hasten the nation’s devo- lution; and that it was filthy, vulgar, and radical.71 Auch im Osten unterlag die Avantgarde dem Generalverdacht politischer Sub- versivität. So hielt es etwa das „Ministerium für Staatssicherheit“ (MfS) der DDR für notwendig, sich gegen zeitgenössische kunsttheoretische Schriften Argu- mentationshilfen zuzulegen. An der MfS-Offiziersschule wurde eine Broschüre herausgegeben, die sich mit Ernst Fischers Thesen aus dem Essayband Kunst und Koexistenz (1966) befasste und dessen „konterrevolutionäre Ideen“ entlarv- te.72 Für einen Oberleutnant des MfS war der Essayband nicht ein „Beitrag zur marxistischen Ästhetik“, wie der Untertitel lautete, sondern vielmehr ein „ver- leumderischer Angriff auf die aktuelle Politik der kommunistischen Parteien in den europäischen sozialistischen Ländern“73. Offiziersanwärter sollten durch die Lektüre der Broschüre darauf vorbereitet werden, die Verbreitung von Fischers Thesen in der DDR zu verhindern. In Österreich bemerkte Bruno Frei 1963 bei einer Diskussion über die Kunst in der Sowjetunion, die vorherrschenden „Ismen“ des Westens wären dem Sozialismus und der Arbeiterklasse fremd. Er sah in den modernen Kunstströmungen den „Ausdruck des Verfalls“ sowie eine „ideolo- gische Waffe der Bourgeoise“.74 Die aus heutiger Sicht paranoid wirkende, damals aber auf beiden Seiten des Kalten Krieges verbreitete Vorstellung, dass Kunstwerke eine Bedrohung dar- stellen, indem sie einen Code transportieren, welcher der jeweils eigenen Seite schaden kann, greift auch Henz im Kartonismus auf. Hasil, der an der Grenze zur VVR verhaftet wird, trägt ein dadaistisches Gedicht mit sich, das die 71 Ebd. 72 Schmole: Operationsgebiet Österreich, S. 224. 73 Oberstleutnant Rudolf Hofmann (JHS, Prorektor für marxistisch-leninistische Grundlagen- ausbildung): Information aus aktuellem Anlaß zu dem im Hamburger Rowohlt Verlag im Okto- ber 1966 veröffentlichten Buch von Ernst Fischer, Österreich, ‚Kunst und Koexistenz. Beitrag zu einer modernen marxistischen Ästhetik‘, April 1968, zit. n. Schmole: Operationsgebiet Österreich, S.  224. 74 N.N.: Aussprache über die Kunstdiskussion in der Sowjetunion. In: Tagebuch 18 (1963) H. 6/7, S. 8. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 486 12 Kunst im Kalten Krieg
zurück zum  Buch Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges