Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 487 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 487 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Bild der Seite - 487 -

Bild der Seite - 487 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text der Seite - 487 -

VVR-Grenzbeamten bei der Leibesvisitation finden und als einen Geheimcode interpretieren: Der Code ist nach Art der bei den Kapitalisten und Imperialisten zur Zeit mo- dernen Verse abgefaßt, ein auf den ersten Blick völlig abstruses Gedicht. Die Kritzeleien in meinem Zeichenheft sind natürlich nicht irgendwelche formalisti- schen Spielereien, sondern nach einem Schlüssel leicht lesbare Pläne des größten VVR-Stahlwerkes. […] Ich bedaure, daß ich mich von den Agenten der Imperia- listen zur Vorbereitung einer Aggression missbrauchen ließ […]. (K 64) Diese absurd wirkende Szene entspricht der paranoiden Logik des KGB ebenso wie derjenigen eines US-Senators Dondero, der den Standpunkt vertrat, dass so manches abstrakte Gemälde in Wirklichkeit eine geheime Landkarte sei, welche strategisch wichtige US-Militär-Stützpunkte verzeichnen würde, und er identi- fizierte die moderne Kunst letztlich als ein Mittel der Spionage.75 Aber nicht nur im Osten wird Hasil als Saboteur verdächtigt, auch der Westen hegt gegenüber seinen Schachtelplastiken einen bösen Verdacht: Vielleicht werden die kartonistischen Skulpturen in der VVR mit Explosivstoffen gefüllt […] vielleicht will man mit diesem Sprengstoff die freie Welt dort treffen, wo sie am stolzesten ist, in ihren Museen für moderne Kunst, vielleicht ist Hans Hiasl ein gedungener Saboteur! (K 211) Künstler als Spione, Spitzel und Fellowtraveller „Künstler und Frauen taugen nicht zum Geheimdienst, schöne Frauen, große Künstler! Die Ausnahmen sind dann Weltklasse“ (K 88), konstatiert der VVR-Ge- neral im Kartonismus und fügt hinzu, dass es keine besseren Agenten für die VVR in den Ländern der freien Welt gibt als jene Künstler, die moderne ästhe- tische Verfahren verfechten: „Diese Agenten sind billig, fleißig und hartnäckig. Die durch ihre Art zu diskutieren erreichte Schwächung könnte durch keine noch so umfängliche Spionage- und Sabotage-Organisation ersetzt werden.“ (K 95) Hier wird der abstrakte Subversionsvorwurf an künstlerische oder theore- tische Strömungen also als konkretes Spionageunternehmen formuliert, das moderne Künstler als Akteure sieht. Hasil selbst befindet, dass er „der Lockvo- gel, der Spion, der Spitzel, das Werkzeug“ (K 107) der VVR-Geheimpolizei wäre, als ihm der Kunststudent Peter, der ihm bei seinem Kunstprojekt assistieren soll, 75 Frances Stonor Saunders: Wer die Zeche zahlt  … Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg. Berlin: Siedler 2001, S.  236. Künstler als Spione, Spitzel und Fellowtraveller 487
zurück zum  Buch Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges