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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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VVR-Grenzbeamten bei der Leibesvisitation finden und als einen Geheimcode interpretieren: Der Code ist nach Art der bei den Kapitalisten und Imperialisten zur Zeit mo- dernen Verse abgefaßt, ein auf den ersten Blick völlig abstruses Gedicht. Die Kritzeleien in meinem Zeichenheft sind natürlich nicht irgendwelche formalisti- schen Spielereien, sondern nach einem Schlüssel leicht lesbare Pläne des größten VVR-Stahlwerkes. […] Ich bedaure, daß ich mich von den Agenten der Imperia- listen zur Vorbereitung einer Aggression missbrauchen ließ […]. (K 64) Diese absurd wirkende Szene entspricht der paranoiden Logik des KGB ebenso wie derjenigen eines US-Senators Dondero, der den Standpunkt vertrat, dass so manches abstrakte Gemälde in Wirklichkeit eine geheime Landkarte sei, welche strategisch wichtige US-Militär-Stützpunkte verzeichnen würde, und er identi- fizierte die moderne Kunst letztlich als ein Mittel der Spionage.75 Aber nicht nur im Osten wird Hasil als Saboteur verdächtigt, auch der Westen hegt gegenüber seinen Schachtelplastiken einen bösen Verdacht: Vielleicht werden die kartonistischen Skulpturen in der VVR mit Explosivstoffen gefüllt […] vielleicht will man mit diesem Sprengstoff die freie Welt dort treffen, wo sie am stolzesten ist, in ihren Museen für moderne Kunst, vielleicht ist Hans Hiasl ein gedungener Saboteur! (K 211) Künstler als Spione, Spitzel und Fellowtraveller „Künstler und Frauen taugen nicht zum Geheimdienst, schöne Frauen, große Künstler! Die Ausnahmen sind dann Weltklasse“ (K 88), konstatiert der VVR-Ge- neral im Kartonismus und fügt hinzu, dass es keine besseren Agenten für die VVR in den Ländern der freien Welt gibt als jene Künstler, die moderne ästhe- tische Verfahren verfechten: „Diese Agenten sind billig, fleißig und hartnäckig. Die durch ihre Art zu diskutieren erreichte Schwächung könnte durch keine noch so umfängliche Spionage- und Sabotage-Organisation ersetzt werden.“ (K 95) Hier wird der abstrakte Subversionsvorwurf an künstlerische oder theore- tische Strömungen also als konkretes Spionageunternehmen formuliert, das moderne Künstler als Akteure sieht. Hasil selbst befindet, dass er „der Lockvo- gel, der Spion, der Spitzel, das Werkzeug“ (K 107) der VVR-Geheimpolizei wäre, als ihm der Kunststudent Peter, der ihm bei seinem Kunstprojekt assistieren soll, 75 Frances Stonor Saunders: Wer die Zeche zahlt  … Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg. Berlin: Siedler 2001, S.  236. Künstler als Spione, Spitzel und Fellowtraveller 487
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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