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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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größten jüdischen Geist, Einstein, diffamierend wegen seiner ‚neutralistischen Haltung im kalten Kriege‘ (eines aus der Reihe törichter Zeitschlagwörter: wann und wo in der bisherigen Geschichte wäre sogenannter Frieden andres gewesen als ‚Kalter Krieg‘?) (KV 60) Becher charakterisiert hier die durch den Kalten Krieg geformten kulturpoliti- schen Fronten in Wien, wo der Kalte Krieg mit „unerhörter Akribie”90 geführt wurde. Er selbst hat sich in autobiographischen Zeugnissen darüber beklagt, selbst Opfer eines Boykotts geworden zu sein.91 Auch über weltbekannte Künst- ler wurde das Verdikt verhängt, sie seien kommunistische Sympathisanten. Als 1951 der „Weltfriedensrat“ im Wiener Kursalon tagte, wurde Pablo Picasso, ein- geladen vom Direktor der Albertina, erwartet. Dieser machte die Einladung rückgängig, da er politisch unter Druck gesetzt wurde. Der Direktor des Kunst- historischen Museums ließ Picasso mitteilen, er könne seine Sammlungen zwar besuchen, aber nur als Privatperson mit kleiner Entourage, da man befürchtete, Picasso würde seinen Auftritt im Museum als Bühne für kommunistische Pro- paganda benutzen. Als in München Picassos Werke, darunter Guernica (1937) und Massaker in Korea (1951) ausgestellt wurden, reagierten die österreichischen Kunstkritiker mit „gefrorenem Schweigen, larmoyantem Unverständnis oder aggressiver Polemik, als ob im west-östlichen Kulturkampf der 38.  Breitengrad überschritten und die eigene Kunst angegriffenen worden wäre“.92 Auch als Nobelpreisträger war man nicht gegen Polemiken gefeit: Thomas Mann wurde von Friedrich Torberg aufgrund seines Engagements für die Welt- friedensbewegung und Aussagen wie „Ich bin und war immer ein Mann des 90 Ebd., S. 214. 91 In einem Brief an den Kunstkritiker Johann Muschik vermerkt Becher: „[…] seit 54, also seit 7 Jahren konnte der Faschist Torberg dafür sorgen, daß ich auf dem Wiener Theater und in der Wiener Presse boykottiert wurde.“ Vgl. Ulrich Becher an Johann Muschik, Postkarte vom 5.4.1961; sowie ders. an Muschik, Brief vom 6.1.1962, ebd., sein Theaterstück Mademoiselle Löwenzorn wäre auf „Betreiben der Weigel-Torberg-Meute“ auf Wiener Bühnen nicht gespielt worden. Vgl. Ulrich Becher: In memoriam Hohner-Baby. In: Ders.: SIFF. Selektive Identifizie- rung von Freund und Feind (Selective Identification of Friend and Foe: Radar-Code der US-Na- vy im Zweiten Weltkrieg). Zürich, Köln: Benzinger 1978, S.  140–146, hier S.  144: „Eine gewis- se Spezies von Emigrantenschreibern, die früher mal links taten, sich eines Rechteren bis Ultrarechteren besannen und im Exil verschweinten wie Odysseus’ Mannen auf der Kirke-In- sel, diese Burschen („verhetzte Burschen“ nannte Thomas Mann sie), die nach dem Hitlerkrieg den Kalten Krieg für sich pachteten und Ihren Korrespondenten zum Beispiel ab 1954 von der Wiener Bühne verbannten, die er erst wenige Jahre zuvor mit den Spielen Der Bockerer und Samba ‚erobert‘ hatte, pflegten zu erzählen, er habe in der kritischen Phase über ein Allschutz- mittel verfügt, nämlich einen Schweizer Reisepaß. Nun, er hatte und hat keinen.“ 92 Kerschbaumer: Der kalte Krieg gegen die Moderne, S. 182. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 492 12 Kunst im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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