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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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nahestanden, ihn verlassen hatten.“ (HB 63) Später wird Krenek vom CIC erpresst, Spionagedienste zu verrichten, und da er sich nicht kooperativ genug zeigt, ent- führt und gefoltert. Stanzl, die ihn erst wenige Tage kennt, macht sich sogleich Sorgen wegen seines Verschwindens und erstattet eine Vermisstenanzeige. Er überlegt, was geschehen wäre, „wenn niemand sich eingemischt hätte [...] Sie hätten mich gewiß auf eine immer raffiniertere und schärfere Weise gequält.“ (HB 110) Krenek ist sich bewusst, dass die Arbeiterin Stanzl „zweimal im ent- scheidenden Augenblick helfend in sein Leben eingegriffen hatte“ (HB 117). Sie macht ihn auch mit einem Arbeiter bekannt, der ihm einen Posten als Fabrik- sportier anbietet, den er schließlich annimmt. Das Leben in Arbeiter- und Arbei- terinnenkreisen, das er durch Stanzl kennenlernt, scheint ihm Halt und eine Aufgabe zu bieten: Wer wollte ihm, dem Maler Ferdinand Krenek, verwehren, in diesem Leben un- terzutauchen, zu verschmelzen mit diesen einfachen, unproblematischen Men- schen – festen Boden unter den Füßen zu gewinnen und den Sumpf hinter sich zu lassen, in dem die Ratten [Name der Künstlergruppe, der er zunächst angehört, Anm. d. Verf.] herumplätscherten? (HB 214) Schließlich bietet Stanzl Krenek aus Mitleid sogar ein Zimmer in der Wohnung an, die sie für sich und ein Waisenkind mühevoll durch einen Sitzstreik und mit Hilfe von solidarischen Passanten erkämpft hat. Ihre bereitwillige Hilfe und Menschlichkeit ermöglichen Krenek, ein neues Leben anzufangen, das ein Arbei- ter mit einem „Heilungsprozeß“ vergleicht, den allerdings niemand dem Pati- enten abnehmen könne und den er „doch allein durchkämpfen“ (HB 260) müs- se. Insofern wird propagandistisch zielgerichtet eine individuelle Anstrengung verlangt und die Politisierung nicht einem gleichsam automatisch ablaufenden Prozess der Vergemeinschaftung überlassen. Wantochs Roman inszeniert mit der Figur Kreneks – ebenso wie die Dramen Fischers – einen jungen Intellektuellen, der sich von einem unpolitischen, libe- ralen, aber unsicheren Lebensstil dem Arbeitermilieu und dessen politischen Zielen zuwendet. Diese Wendung wird jeweils durch emotionale Bindungen an Frauen bewirkt, die sich politisch engagieren und für Ziele der kommunistischen Ideologie eintreten oder diese – wie Anita – sogar verkörpern. Damit wird auf den hohen Stellenwert hingewiesen, den zwischenmenschliche Beziehungen für die kommunistische Ideologie haben.37 Die Bedeutung der zwischenmensch- 37 Dieser Ideologie ist freilich gegenüberzustellen, wie schwierig sich Freundschaftsbeziehungen in der sowjetisch dominierten Gesellschaft tatsächlich gestalteten. Vgl. Doris Danzer: Zwischen Vertrauen und Verrat. Deutschsprachige kommunistische Intellektuelle und ihre sozialen Bezie- hungen (1918–1960). Göttingen: V&R unipress 2012. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 522 13 Konversion, Bekehrung, Renegatentum. Narrative des Seitenwechsels.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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