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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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giges Diskursmuster: Gerade der „wirkliche[...] Kommunist“, der die ursprüng- lichen Ideale des Kommunismus vertritt, muss sich vom Ostblock abwenden. Dass der „Schritt vom Kommunisten zum Exkommunisten“ gerade auch in der „Treue zum eigenen kritischen Denken“ im Zeichen der Kontinuität stehen kann, zeigt Rohrwasser am Beispiel Sperbers auf.81 Während Sperber allerdings 1937 am Höhepunkt der stalinistischen Säuberungswellen aus der KP austritt, wen- det sich Kostja erst Anfang der 1960er-Jahre zum Westen, was ihn zur Karikatur eines Renegaten macht. Der eigentliche Grund für sein Renegatentum sind per- sönliche Machtverlustängste. Ebenfalls als Parodie tritt die Fellow-Traveller-Fi- gur des Großindustriellen und Waffenherstellers Gaston auf, die Kostja gegen- übersteht. Gaston ist mit Marguerite seit siebzehn Jahren verheiratet. Er eröffnet ihr nach dem Auftauchen Kostjas in Frankreich, dass er immer schon mit dem Kommunismus sympathisiert habe, aber noch nicht die Zeit gekommen sah, sich effektiv dafür zu engagieren und bittet sie, über Kostja einen Kontakt zu Funktionären in Polen für ihn zu erwirken: Ich habe nie der Partei angehört, das weißt du, ich bin kein Konformist, aber [...] ich war immer sympathisant [sic!]. […] Die Situation war damals nicht reif für den Sozialismus. Nicht bei uns! Ich bin kein Osteuropäer, er hatte es leicht, ich konnte nicht nach dem Osten gehen, mein von der Vorsehung gewollter Platz war, wo ich stand. Wo ich stand, hätte auch jeder andere mit den Hunden geheult. (F 265) Tatsächlich treibt den mächtigen Großindustriellen nicht eine kritische Haltung gegenüber den sozialen Ungleichheiten im Kapitalismus an, was die Motivation vieler Fellow-Traveller war. Vielmehr fühlt er sich angesichts der wachsenden technischen und wirtschaftlichen Macht der Sowjetunion von dieser angezogen und wünscht sich – wo nicht dort neu anzufangen – wenigstens wirtschaftlich einträgliche Kontakte aufzubauen, wobei ihm der ehemalige Geliebte seiner Frau behilflich sein soll: Wenn er [Kostja] heute heimgeht nach Warschau und denen die Wahrheit sagt, daß ich im geheimen [sic!] immer schon zu ihnen gehört habe, daß ich hier im Westen die Luft nicht mehr atmen kann, wenn er heimgeht und ihnen das sagt, er mit seiner Position dort drüben –. (F 268  f.) Die idiomatische Wendung, man könne die Luft auf der eigenen Seite nicht mehr atmen, wiederholt sich sowohl beim Renegaten als auch beim Fellow-Traveller, die zugleich beide von persönlichem Vorteilsdenken korrumpiert sind, anstatt 81 Vgl. Rohrwasser: Kommunist, Exkommunist, Antikommunist, S. 58. Kritik an ideologischen Frontstellungen im Kalten Krieg 539
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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