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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 543 -
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dem Selbstmord zu bewahren. Später arbeitet er für die CIA, wobei die Gründe nicht etwa Gegnerschaft zum Kommunismus oder demokratische Überzeugung sind, sondern eine Erpressung durch die CIA, die seine Spitzeldienste für den Osten aufgedeckt hatte. Den vielfältigen erzwungenen Bekenntnissen und Seitenwechseln steht die Figur des Bankbesitzers Otto Fanzelau gegenüber, der nach einem persönlichen Lebenszweck sucht. Seine Organisation der Finanzierung von Fluchttunneln, die scheinbar genau die Grenze unterminiert, die den Kalten Krieg ausmacht, stellt sich schließlich als Mitarbeit an einem großangelegten Spionageprojekt heraus, das beide Seiten für sich zu nutzen suchen. So schleust der SSD Spione über Fanzelaus Fluchttunnel in den Westen, erlaubt aber zugleich auch Flucht- hilfe und liefert Kommunisten ans Messer, um die eigene Tarnung aufrecht zu erhalten. Machtpolitische Interessen bilden so in fast allen dargestellten Lebens- bereichen die treibende Kraft, während ideologische Ziele nur zum Schein auf- gerichtet werden. Wer diese ernsthaft verfolgt, wird schließlich enttäuscht; so wie Fanzelau, der sich am Ende der Romanhandlung das Leben nimmt. Anders als in Die Beweisaufnahme erscheint die mangelnde ideologische Fes- tigkeit der Figuren in Simmels Roman nicht als gesellschaftliches oder persön- liches Defizit oder Dilemma, sondern als normaler Zustand, was den Diskurs über die Dichotomie von Kommunismus und westlicher Welt konterkariert. Die beiden Seiten sind demnach nicht durch eine Grenze zwischen zwei unverein- baren ideologischen Überzeugungen getrennt, sondern durch die Konstruktion einer bipolaren Gesellschaft auf der Basis von Machtunterschieden und -inter- essen. Simmel entwirft damit ein Modell, das die für den Kalten Krieg charak- teristische Forderung nach persönlicher politischer Überzeugung und politi- schem Bekenntnis bzw. nach Konversion und Renegatentum ad absurdum führt. Kritik an ideologischen Frontstellungen im Kalten Krieg 543
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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