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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 543 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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dem Selbstmord zu bewahren. Später arbeitet er für die CIA, wobei die Gründe nicht etwa Gegnerschaft zum Kommunismus oder demokratische Überzeugung sind, sondern eine Erpressung durch die CIA, die seine Spitzeldienste für den Osten aufgedeckt hatte. Den vielfältigen erzwungenen Bekenntnissen und Seitenwechseln steht die Figur des Bankbesitzers Otto Fanzelau gegenüber, der nach einem persönlichen Lebenszweck sucht. Seine Organisation der Finanzierung von Fluchttunneln, die scheinbar genau die Grenze unterminiert, die den Kalten Krieg ausmacht, stellt sich schließlich als Mitarbeit an einem großangelegten Spionageprojekt heraus, das beide Seiten für sich zu nutzen suchen. So schleust der SSD Spione über Fanzelaus Fluchttunnel in den Westen, erlaubt aber zugleich auch Flucht- hilfe und liefert Kommunisten ans Messer, um die eigene Tarnung aufrecht zu erhalten. Machtpolitische Interessen bilden so in fast allen dargestellten Lebens- bereichen die treibende Kraft, während ideologische Ziele nur zum Schein auf- gerichtet werden. Wer diese ernsthaft verfolgt, wird schließlich enttäuscht; so wie Fanzelau, der sich am Ende der Romanhandlung das Leben nimmt. Anders als in Die Beweisaufnahme erscheint die mangelnde ideologische Fes- tigkeit der Figuren in Simmels Roman nicht als gesellschaftliches oder persön- liches Defizit oder Dilemma, sondern als normaler Zustand, was den Diskurs über die Dichotomie von Kommunismus und westlicher Welt konterkariert. Die beiden Seiten sind demnach nicht durch eine Grenze zwischen zwei unverein- baren ideologischen Überzeugungen getrennt, sondern durch die Konstruktion einer bipolaren Gesellschaft auf der Basis von Machtunterschieden und -inter- essen. Simmel entwirft damit ein Modell, das die für den Kalten Krieg charak- teristische Forderung nach persönlicher politischer Überzeugung und politi- schem Bekenntnis bzw. nach Konversion und Renegatentum ad absurdum führt. Kritik an ideologischen Frontstellungen im Kalten Krieg 543
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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