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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Seite - 579 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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15 VERSCHLEPPUNG UND MENSCHENRAUB „[...] es gingen damals immer Gerüchte durch Wien, daß es ein Umschlagplatz wäre, daß ein Menschenhandel getrieben würde, daß, in Teppiche gewickelt, Menschen und Papiere verschwänden, daß jeder, auch ohne es zu wissen, für irgendwelche Seiten tätig wäre.“1 Ingeborg Bachmann Österreich als gefährliches Terrain Es würden sich zahlreiche Schundromane über die Verbrechen der Besatzungs- mächte in Österreich schreiben lassen, so der Verfasser einer von der SPÖ her- ausgegebenen Broschüre mit dem Titel Kriminalakt Österreich: „Nichtsahnend bummelte Jim durch die 143.  Straße. Da brauste ein Packard heran, vier Männer zerrten Jim in den Wagen, und ehe die Passanten begriffen, daß die ‚Blutige Hand‘ ein neues Opfer geschnappt hatte, verschwand die unheimliche Limousi- ne hinter dem nächsten Wolkenkratzer  …“2 Diesen fiktiven Fall von Verschlep- pung durch Gangster in einem „Groschenroman“ parallelisiert der Verfasser mit der Wirklichkeit Österreichs während der Besatzungszeit, wo sich täglich solche Fälle ereignen würden: „Und wie ist es wirklich? Eine Frau geht einkaufen. Als sie die Einfriedung des Volksgartens entlang eilt, taucht neben ihr ein ausländi- sches Fahrzeug auf, die Insassen ziehen die Ahnungslose hinein und preschen quer über den Heldenplatz zum beschlagnahmten Teil der Hofburg  …“3 Der ehemalige österreichische Innenminister Franz Olah, ein wesentlicher politischer Akteur im Kalten Krieg – als Präsident des Österreichischen Gewerk- schaftsbundes war er an der Niederschlagung des sogenannten „Oktoberput- sches“ 1950 beteiligt – erinnert sich an den „ungeheure[n] politische[n] Druck“ im sowjetisch besetzten Teil Österreichs „mit täglichen Verschleppungen“, die „auch vor politischen Funktionären, ja selbst vor Abgeordneten“4 nicht Halt machte. Damit spielt er auf den spektakulärsten Entführungsfall im Österreich der Besatzungszeit an, nämlich die Verschleppung der hohen Ministerialbeam- tin Margarethe Ottilinger im Jahr 1948, der damals in nationalen und interna- tionalen Medien heftig diskutiert wurde. Die tatsächlichen politischen Hinter- 1 Ingeborg Bachmann: Malina. In: Dies.: Werke. Hg. von Christine Koschel, Inge von Weiden- baum und Clemens Münster. Dritter Band: Todesarten: Malina und unvollendete Romane. München: Piper 1978, S.  9–337, hier S.  260. 2 Rupert Rindler (Hg.): Kriminalakt Austria. Zell/See, Wien: Vorwärts 1953, S. 3. 3 Ebd. 4 Franz Olah: Die Erinnerungen. Wien, München, Berlin: Amalthea 1995, S. 129  f.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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