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Aufenthalt inungesundenGegendenbei fehlenderärztlicherBetreuung 151
Erkrankungen wurden selten nach Wien gemeldet. Konsul Rappaport meldete
in einem Privatbrief aus Bagdad im Juli 1903 seine gerade überstandene Erkran-
kungen an Tropen eber und Darmkatarrh, die ihn ab Mai geplagt hatten, weil er
in seiner Berichterstattung einen Rückstand aufwies und sein Amt nur einen Dra-
gomanundKawassenbeschäftigte,dieseineArbeitnichtübernehmenkonnten.366
Für Srbik war 1834 Konstantinopel die Stadt der beständigen Feuergefahren
und häu gen Brände mit unzureichenden Löscheinrichtungen, die Stadt des oft-
maligenAuftretensderPestunddermangelhaftestensanitärenVorsorge,dieStadt
derGeier,derwildenHundeundderBettler.367InderzweitenHälftedes19.Jahr-
hundertslittKonstantinopelwieandereraschanBevölkerungzunehmendeStädte
an Wassernot (Trink- und Brauchwasser). Bei Feuersbrünsten fehlte genügend
Löschwasser.VonSickergrubenverseuchtesTrinkwasserbegünstigteCholera-und
Typhusepidemien.ErstEndedes19. Jahrhunderts trateineEntspannungein.368
Selbst Peking erlebte im Diplomatenviertel vor und nach 1896 im Frühjahr
StaubstürmeindenunbefestigtenStraßenderStadt.DiejährlichenRegenfällevon
Anfang Juni bis Mitte August verwandelten die Straßen in ein Meer von Kot und
Schlamm, berichtete Paula von Rosthorn, die Gattin des k.u.k. Geschäftsträgers
in Peking.369 Brandt berichtete in seinen Erinnerungen über Tientsin von feucht-
heißem Klima, das juckende Hitzeausschläge verursachte, Gestank und Sandstür-
men, die die Atmosphäre so verdunkelten, dass man um 14Uhr bereits Licht an-
zünden musste.370 Von Feuersbrünsten in Yokohama, die oft Hunderte Häuser
zerstören konnten, weil diese fast nur aus Holz, Papierwänden und Strohmatten
bestanden,berichtetederselbeausJapan.371
Selbst in St. Petersburg waren noch bis 1911 die sanitären Verhältnisse infolge
des Fehlens eines entsprechenden Trinkwassers und des Mangels jedweder Kanali-
sationdenkbarungünstig.372
Gesundheit war eine Voraussetzung für die Aufnahme in den Staatsdienst.
Nicht wenige wiesen am Ende ihrer Dienstzeit ein Nervenleiden, manche eine
Lungenkrankheitauf.
splitter am Unterkiefer operativ entfernen und eine Beinhautentzündung behandeln lassen
musste Pe.Kral.
366 Privatbrief Rappaports an Konsul Winter in Wien, Bagdad, 2. Juli 1903. Pe. Rappaport,
fol.559 566. Durch die Erkrankung hatte Rappaport fast 20kg an Gewicht verloren. Ein
ständigesSchwächegefühlmachteschriftlicheArbeit fastunmöglich.
367 Srbik,S.49.AuchWandruszka,S.453.
368 Dinçkal,S.64 67.
369 Kaminski/Unterrieder,S.39f.
370 BrandtBd.I,S.176f.
371 BrandtBd.II.,S.20.
372 Agstner1996,S.11 13.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Titel
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Untertitel
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Autor
- Engelbert Deusch
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Abmessungen
- 17.4 x 24.4 cm
- Seiten
- 736
- Schlagwörter
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918