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ZwischenGhettogeschichteund‚Trauerspiel‘ 67
Geboren1884trifftdiesesArgumentaufFeldmannzwarnichtzu. Immerhin
veröffentlichtesie ihreersten literarischenVersuche inder1894vonHeinrich
KannerKanner,Heinrich, IsidorSingerundHermannBahrgegründetenWo-
chenzeitungDieZeit, inderBahr–unteranderemauchWortführerderWiener
Moderne–alsLeiterdesKulturfeuilletons fungierte.Trotzdemwarsiewohl
genausowie ihre ‚älteren‘KolleginnenmisogynenVorurteilenausgesetzt: „Die
DramatikerinnenwurdenoftfürAutorinnenzweitenRangesgehaltenundsie
wurdenvomEstablishmentmitMisstrauenbetrachtet:Manglaubtenichtan
ihrekünstlerischenundintellektuellenFähigkeiten.“187
DerSchrei,denniemandhört! imSpiegelderzeitgenössischenKritik
Kritik ander technischenDurchführungwird auch indenRezensionenzu
FeldmannsStückgeäußert. SobeanstandetPaulBeckmanninderArbeiterZei-
tung,dassderStoff,„ohne[ihn]zugestalten,geschweigedennkünstlerischzu
gestalten,kaltundkraßaufdieBühne“188gestelltwordensei.HermannMenkes
kritisiert imNeuenWiener Journaldie „falscheSudermannscheTheatralik“
der„nochinvielenMotivenherumtastendenDichterin“.189HeinrichKanner
spricht inderZeitdieeklektischeHandlungsführungan:„DasStückzerfließt
nacheinemguteinsetzendenAkt in lauterhübscheEinzelheiten,die sichnicht
mehrzudramatischerAbsichtzusammenschließen.“190PaulZifferervonder
NeuenFreienPresse,LudwigUllmann inderWienerMittags-Zeitung sowie
derRezensentderÖsterreichischenVolkszeitung schlagen indieselbeKerbe:
„DasSchauspiel läßtvieleDeutungenzu,wieesvieleHandlungenanspinnt,
in jedemAkt, in jederSzeneeineneue,umsichamEndedoch fürkeinezu
entscheiden.“191
AuchderRezensentderÖsterreichischenVolkszeitung attestiertdemStück
fehlende Einheitlichkeit in der Entwicklung derVorkommnisse, „deren es
mehreredaringibt, abereines indasanderegeschachtelt,ohnedaßsicheines
ausdemanderenorganischentwickelt“.192Ullmannsprichtvon„literarischen
Posen“undbefindetweiter: „Unausgegorenauchdie technischeFührung,Ge-
187 RosaMartaGómezPato:SchriftstellerinnenderWienerModerne.O. a.: S. 109.
188 Bn. (= Paul Beckmann): Volksbühne. Der Schrei, den niemand hört! In: AZ Nr.: 44.
13.02.1916.S. 19.
189 HermannMenkes:TheaterundKunst. In:NWJNr.:8006.13.02.1916.S. 16.
190 HeinrichKanner:TheaterundKunst. In:DieZeitNr.:4809.13.02.1916.S. 3f.
191 PaulZifferer:Theater-undKunstnachrichten. In:NFP13.02.1916.S. 19.
192 A. L.:TheaterundKunst.DerSchrei,denniemandhört! In:ÖsterreichischeVolkszeitung.
13.02.1916.S. 8.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien