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142 Romane
esdemErzähler,komplexeZusammenhängeaufzubrechen, sieaußerhalbdes
gängigenKontexteszustellenunddamiteinescheinbarunverstellteWirklich-
keit zupräsentieren,ohnesiedirektzuverurteilen.
EinNarrativausKindersichterzieltdemnachbeimLeserungeachtet seiner
KonstruktioneinehoheWirkunganAuthentizitätunderlaubt,Gesellschaftskri-
tikohnemoralisierendenImpetuszuüben.„Diehöchst subjektivanmutende
Sicht eines unbedarftenKindes eröffnet einen immerwieder irritierenden
Einblick ineineWelt,dieeigentlichbekannt ist, aber sovölligneueAspekte
hinzugewinnt.“527
Soentzieht sichzumBeispieldasVorhandenseinvonKlassenschrankender
kindlichenLogik.„OlgaWeltgefielmir[…]. IchhättemichgernmitOlgaWelt
befreundet,dochwie ichzu ihrgingundmit ihrsprechenwollte, sagtesie, sie
möchteganzgernemeineFreundinsein,docherlaubees ihreMamanicht,daß
siemitarmenKindernverkehre.“(LZ21)Als ‚armesKind‘hattesichMarianne
bisdahinnichtwahrgenommen.
IchgingnochamselbenTagzuPloni indieKücheundfragte:
Ploni,bin icheinarmesKind?FreilichbistdueinarmesKind.
Warum,Ploni?
WeildeineElternkeinGeldhaben. (LZ22)
DieseErklärungstellt fürdasMädcheneinescheinbarausreichendeRechtferti-
gungdereigenen ‚Inferiorität‘darundwirdvonihmumgehendinternalisiert:
„Ja,dasbegriffich.IchwarbnunnichtmehrumOlgaWeltundhatteauchnicht
mehrdenMut, eine andere zu fragen, sondernging fortanalleindieWand
entlang.“ (LZ22)
AndershingegenfälltihreReaktionaus,alssieselbstFreundschaftmitAnnerl
Neuberschließt, einemMädchen,dasbei ihrerTante, einerWäscherin, lebt.
In diesemFall verbietet nundie eigeneMutter, die sie beimgemeinsamen
Wäscheaustragentrifft,denUmgang:
EinmalsahmichzufälligmeineMutter,alsichdenschwerenKorbtrug.Siewarsehrböse
undzerrtemichanderHandwegvonAnnerl.ZuHausehalte icheinMädchen,damit
sie füreucharbeitet,unddu,dummesKind, trägst schwereKörbe!Niewieder sollstdu
das tun. (LZ28)
DasVerbotderMutter, sichmitAnnerleinzulassen,erschließt sichMarianne
nicht alsAufstiegshoffnungundBestrebennachDistinktion, sondernwird
vonihrmissverständlichaufdieAnstrengungbeiderArbeitbezogenundals
nichtgerechtfertigtempfunden:„Ichdachtenach:Freilichwaresentsetzlich,
527 Ebd.:S.
149.
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien