Seite - 275 - in Else Feldmann: Schreiben vom Rand - Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
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„AberwasistamSchlußallerdieserneuenDinge?
Ach,nichts…“
„Aberwas ist amSchluß aller dieser neuenDinge?Ach, nichts…“891,mit
diesemSatzbrichtder letzte–Fragmentgebliebene–RomanFeldmannsab.
TatsächlichsetztdasVerbotderArbeiterZeitung infolgederFebruaraufstände
1934einenunumkehrbarenSchlussstrichunterdas ineinerZeitgesellschaft-
licherAuf-undUmbrĂĽcheentstandeneWerkFeldmanns,wasdemeingangs
zitiertenSatzangesichtsdarauffolgenderRepression,VertreibungundErmor-
dungderAutorindurchdieNationalsozialisten– imNachhineingesehen–
eineparadigmatischeBedeutungverleiht.
SelbstausärmlichenVerhältnissenstammend,istesElseFeldmanngelungen,
sich imWienderZwischenkriegszeit alsSchriftstellerinundJournalistinzu
emanzipieren,undsichdabei,wie imRahmendieserArbeitaufgezeigtworden
ist, ineinemmännlichdominiertenUmfeldzubehaupten.
Wiebeschrieben,bewegtsiesichdabei, sowohl thematischalsauchdieWahl
ihrer Figuren betreffend, zunächst noch imUmfeld einer umdie Jahrhun-
dertwendeentstandenLiteratur,wobeiauch ihren frĂĽhenTextenbereits ein
unterschwelliger sozialkritischerAspektunterlegt ist,der für ihr späteresWerk
bezeichnendseinwird.DabeientwickeltFeldmanneineeigenständigeArtdes
Schreibens,die sich–auchwasdieUmsetzungbereits vorhandenerGenres
betrifft–vonderihrermännlichenKollegeninsofernabsetzt,alssie ihrenBlick
daringleichzeitigaufdieäußerstenRänderderdamaligenGesellschaftsowie
die innerstenBezirkedermenschlichenSeeleausdehnt.
DieseEmanzipationhat sichzunächst imjüdischenMilieu,angesichtsnach
demZerfallderHabsburgermonarchiebrüchiggewordenerIdentitätskonstruk-
tionen, spätervorallemimsozialistischenUmfeldvollzogen,wobeiFeldmann
als selbstdemProletariatentstammenderSozialistin, JĂĽdinundFrau,wieSil-
vermanargumentiert, einebesondereStellungzukommt,die ihrsowohleine
zustimmendealsauchkritischeHaltunggegenĂĽbersozialdemokratischenRe-
formprogrammenimRotenWienderZwischenkriegszeit ermöglicht.
Kritik formuliertFeldmanndabeinichtnurausdrĂĽcklich,wieanhandvon
Briefen anmännlicheKollegen sowie amBeispiel diverser Zeitungsartikel
aufgezeigt, sondernauchverdeckt, indemsie in ihrenTextenpolitischeIdeale
mitderBeschreibungder tatsächlichenLebensrealitätvonMenschenanden
RandzonenderGesellschaftkontrastiert.
DabeischärftvorallemdasErlebendesu. a. in ihrenKindheitserinnerungen
beschriebenenGefühlsder eigenenUnzugehörigkeitdenBlick fürdasAus-
891 ElseFeldmann:MarthaundAntonia.Wien.Milena1997.S.Â
370.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
© 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Titel
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Untertitel
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Autor
- Elisabth H. Debazi
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Abmessungen
- 15.8 x 23.4 cm
- Seiten
- 306
- Schlagwörter
- L
- Kategorie
- Biographien