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3 Briefe
DenkDir, nächsteWoche fahrenwiralsonachSt.Pöltenzurück.Wie
lange wir unterwegs sein werden, kann man noch nicht wissen. Paar
Tagevermutlich. Ich freuemich schonseit gestern so sehrdarauf, dass
ich Dich wiedersehen werde! Man sagt auch, dass wir Urlaub bekämen.
Aberdas istnicht so sicher.DochauchohneUrlaubkann ichbestimmt
für ein paar Stunden nach Wien, den einen oder andern Tag. Es ist
schade,dass manmit demWagennicht mehr fahrenkann. Dannginge
es raschundeinfach.
DieseSache inBerlingeht–hoffe ich– inOrdnung,undmeinHase
braucht sich den Kopf darüber nicht zu zerbrechen. Zerbrich Dir den
Kopfauchdarübernicht,dassdieseVerschiebunguns,mitderZeit, auch
weiternachdemWestenführenkönnte.Dennsosicheres imGroßenund
Ganzen ist, wie die Zukunft sich gestalten wird, so wissen wir doch die
DetailsundVariantendavon,|dieMittelundWegedesSchicksals,nicht,
und in einem Trommelfeuer kann man sicherer sein als in Abrahams
Schooß[sic!],währendeinenaufeinemSpaziergangdasSchrottkorn
[sic!]einesSonntagsjägers treffenkann.DaswirklicheSchicksalnämlich
kennteinenWahrscheinlichkeitskoëffizientennicht.Gott lachtüberdie
menschlicheWahrscheinlichkeitsmathematik.MankannüberGottsagen,
was man will, – aber letzten Endes ist er ein feiner Kerl: vor allem, weil
er so gar kein Effekthascher ist, weil er Prestigeverluste in einem Maaße
[sic!]aufsichnimmt,dassmanfassungslos ist,undweilermitmanchmal
geradezubeschämendeinfachenMittelnauskommt.
Nun, m.H., heute nur dieses Blatt zur raschen Benachrichtigung.
Ich freue mich schon so sehr darauf, Dir viel erzählen zu können, das
heißt: nicht eigentlich das zu tun, was man erzählen nennt, sondern Dir
einiges Wesentliche zu berichten. – Ich weiß, wie gesagt, durchaus noch
nicht genauer, wann wir zurück sein werden, tippe aber etwa auf die
Monatswende.
Heute habe ich, bis zu dieser Abendstunde, meinen Geburtstag in
vollkommenerkörperlicher undgeistiger Rüstigkeit verbracht, nachmit-
tags auch ein wenig geschlafen und nun ziehe ich mich zum Souper an.
M.H., ichbin so froh,dass ichDirdiesenBrief schreibenkonnte.Nun
darfstDuabernicht etwaweinen.
Neni.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik