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6.1 Vorbemerkung
KunstundWissenschaft begeisterten[sic!]undschöpferischeBe-
gabungenmitAufträgenundAnkäufen förderten[sic!]. [...]Das
mit einem Dolch attackierte Mädchen auf dem Bild [Kokoschkas,
C.D.]war inzwischenzueiner faszinierendenDameundĂĽberaus
gastfreundlichenHausfrau inHochrotherdherangewachsen.9
InRomanRocˇeksLernet-Biografie tauchtLotteSweceny schließlichals
„die mit Lernet befreundete Mitbesitzerin des Manzschen Verlagshauses“
auf.10
Aus den Briefen und Konzepten Maria Charlotte Swecenys an Alexander
Lernet-Holenia tritt dem Leser eine bemerkenswerte Persönlichkeit ent-
gegen: gebildet und selbstbewusst; materiell unabhängig durch Geburt
und Heirat; bekannt und befreundet mit zahlreichen Exponenten des
Geisteslebens der Zwischenkriegszeit. Maria Charlotte Stein, spätere
Sweceny, verfügte selbst über ein beträchtliches literarisches Talent und
eine Intelligenz,die ihr imKreise ihrerFamilieund ihrerFreundeund
Bekanntenzweifellos eineSonderstellungverschafften.
Die Herkunft Lotte Swecenys aus einer jĂĽdischen Unternehmerfamilie
prägte ihre Persönlichkeit in beträchtlichem Maße; Werte wie Libera-
lismus in Denkenund Handeln,Bildungals höchstesGut, Tüchtigkeit
undVerantwortungsbewusstseinbestimmtendieAtmosphäre ihresEl-
ternhauses.11 Diese befruchtende Atmosphäre war auch das Resultat
einer seit zweiGenerationenandauernden–und inLottesGeneration
abgeschlossenen–AssimilationsleistungvonLottesGroßvaterMarkus
und ihremVaterRichard. IndenJahren ihrergemeinsamenGeschäfts-
führungentstandendie „Manz’schenGesetzesausgaben“alsReihemit
Anspruch auf Vollständigkeit, waren viele der bedeutendsten Juristen
derMonarchie–dannderErstenRepublik–AutorendesVerlags, ent-
stand das Buchhandlungs-Portal von Adolf Loos, wurden Lotte Sweceny
und ihr Bruder Walter von Oskar Kokoschka gemalt, wurde Richards
BruderErwinSchülerArnoldSchönbergs.
9 Ebd., S.262f.
10 RomanRocˇek:DieneunLebendesAlexanderLernet-Holenia.EineBiographie.Wien–Köln–
Weimar: Böhlau 1997, S.223, 231, 244, 388, 389; hier S.231. Maria Charlotte („Lotte“)
Sweceny heißt hier irreführenderweise mal „Charlotte Sweceny“, mal „Charlotte Stein“.
Sie habe ihm, so Rocˇek, als (mündliche) Quelle gedient, in die Briefe Lernets aber keine
Einsicht gewährt. Hierzu und zu Rocˇeks daraus folgender Konstruktion nicht existenter
Quellen sieheS.34,FN97.
11 Vgl. auch die AusfĂĽhrungen zur Konversion der Familie vom Judentum zum Protestan-
tismusaufS.349.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik