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6.2 „DergeboreneVerleger“:MarkusStein,derGroßvater
Der vierzehnjährige Konvertit Richard Stein handelte dabei durchaus re-
präsentativ: „Die meisten männlichen Apostaten stammten aus Häusern
desoberenMittelstandes [...].“57 IndenCharakterisierungenMarkus
undRichardSteinsklingtauchetwasan,wasman inAnlehnunganMax
Weber „protestantische Ethik“ nennen könnte – Werte, an denen man
sich innerhalbdesdieGeschäfte führendenFamilienzweigsorientierte:
„Ablehnung jeder leichtlebigen Hingabe an Impulse des Augenblickes“58
wird Markus Stein von seinem Enkel Robert attestiert, „unermüdlich
vorwärtsstrebendes Wirken“ (Markus) und „rastlose Pflichterfüllung“
(Richard) charakterisierendieVerstorbenen inderöffentlichenTrauer-
anzeige.59 Noch Robert Stein, Markus’ Enkel, wird über seine Familie
schreiben: „Es ist [...]beiunsTradition,Äußerlichkeitenabholdzusein
und keine Ehren zu suchen, sondern Befriedigung vor allem im Dienste
anderSachezufinden[...].“60
Eswurdebereitsdaraufhingewiesen,dass in
[...] kaum einer Berufssparte [...] die Evangelischen so zahlreich
vertreten [waren] wie im Buchhandel bzw. Verlagsbuchhandel –
AufklärungundBildungsindgewissermaßendieSchwesterndes
evangelischen Glaubens. [...] Protestanten grĂĽndeten die Verlage
Holzhausen,Jasper,Gerold,Konegen,Manz,Deuticke,Gräffer,Last,
MĂĽller,Amalthea,Hartlebenu.a. [...].61
Wie wichtig Markus Stein seine neue Rolle als Angehöriger der evangeli-
schenGemeindeWiensnahm, lässt sichauchausderTatsacheersehen,
dass erbaldnachseinerĂśbersiedlung indieReichshauptstadtaktives
Mitglied der 1879 gegründeten „Gesellschaft für die Geschichte des
Protestantismus in Österreich“ war. Die Wiener Klinkhardt-Filiale führte
bereits seit 1880das JahrbuchderGesellschaft imVerlagsprogramm.62
Seit1893erschiendas Jahrbuchdann inderManz’schenVerlags-und
Universitätsbuchhandlung,dieMarkusSteinam1.Januar1883inseiner
kreditierten Mitglieder der österreichischen Rechtsanwaltskammern (Hrsg.): Advokaten
1938. Das Schicksal der in den Jahren 1938 bis 1945 verfolgten österreichischen Rechtsan-
wältinnen und Rechtsanwälte. Wien: Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung
2010,S.1–72,hierS.5).
57 Rozenblit: Die JudenWiens1867–1914, S.142.
58 R.Stein: Festrede100JahreManz,S.3.
59 Partezettel-ArchivderHeraldisch-GenealogischenGesellschaft „Adler“,Wien.
60 R.Stein: Festrede100JahreManz,S.1.
61 Salzer/Karner: VomChristbaumzurRingstraĂźe, S.189.
62 V[ölker]: MarkusStein†,S.167.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik