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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
6.3.5 Paula,Emma,HeleneundErwinStein
Von der Mehrzahl der jĂĽngeren Geschwister Richards ist keine aktive
Beteiligung am Verlag bekannt; sie ergriffen überwiegend – wohl mit
mentaler wie finanzieller Unterstützung ihres Vaters Markus – Berufe
in Kunst und Kultur. Vor allem den Schwestern Richards (und Tanten
Lottes) sollen imWeiteren– soweit esdie recht spärlicheQuellenlage
zulässt – einige Zeilen gewidmet werden. In den Lebensläufen Paula
und Helene Steins klingt bereits das stark ausgeprägte Streben nach
Unabhängigkeit an,dasauchMariaCharlotteSteinauszeichnete.
Nur wenig ist bekannt ĂĽber die am 11. Dezember 1878 in Wien gebo-
renePaulaStein.SieheiratetedenDrechslerwarenfabrikantenHermann
Kemperling, mit dem sie einen Sohn namens Norman hatte (1904–
1946).125 Spätestens seit 5. Mai 1938, also wenige Wochen nach dem
„Anschluss“, lebtePaulagetrenntvon ihremEhemannwiederamKohl-
markt 16126 – dass ihre jüdische Abstammung bei der Trennung eine
Rolle gespielt hat, kann hier nur vermutet werden. Am 29. Januar 1939
jedenfallsmeldete sichdie inderFrauenrechtsbewegungengagierte127
TheosophinPaulaKemperling, geboreneStein, ausWienabundĂĽber-
siedelte nach London.128 Den Entschluss dazu hatte sie spätestens im
November 1938 gefasst.129 Von London aus reiste sie nach Sri Lanka
125 DerLehmann, dasdamaligeWienerAdressbuch, verzeichnet fĂĽrdiesenZeitraumnur
zweiEinträgemitdemNamenKemperling: „H.Kemperling,pFa.,Drechslerwr.Fabrk.,
XV.,Tanneng.3.T.B-36-0-71“und„Normann,Kaufm., I. Kohlmarkt20, s.H.Kemper-
ling“. Norman Kemperling verstarb bereits am 23. März 1946 in Wien (vgl. Meldeunter-
lagenWStLA).
126 MeldeunterlagenWStLA. ImSteinFAexistiertderGrundrissplaneiner„Wohnungsteilung
undAdaptierung“ fürdieehemaligeWohnungMarkusSteins im4.StockdesHausesam
Kohlmarkt 16 (damals 20), Bauwerber Helene Winger und Paula Kemperling, sowie der
positive Genehmigungsbescheid des Wiener Magistrats (M.Abt.38/2622/38). Offenbar
plantendieSchwestern, inNachbarschaft zuwohnen.ZumHaushaltHeleneWingers
gehörtenauch ihrebeidenSöhneRichard jun.undWolfgang.
127 Paula Kemperling schrieb u.a. für Das Wort der Frau – Unabhängiges Sonntagsblatt
fürdiekulturellen, sozialenundwirtschaftlichen InteressenderFraudenArtikel „Unser
Betrieb“ (1. Jg.Nr.22,2.August1931).
128 MeldeunterlagenWStLA.
129 Robert Stein schreibt Ende Nov. 1938 in einem Brief an sie: „Bezugnehmend auf Deinen
BesuchamMontagden28.ds.M., beidemDumirmitteiltest, dassDununmehrdefinitiv
die Absicht und auch die Möglichkeit hast nach auswärts zu übersiedeln [...]“ (Robert
Stein:Brief anPaulaKemperling [SteinFA].Wien.30.Nov.1938).
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik