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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
Von ihremVater [MarkusStein,C.D.]hatte sie sehrviel übernom-
men, so die Abneigung gegen das Zeigen von Gefühlen, obwohl
diese Gefühle stark in ihr vorhanden waren. [...] Depressionen zu
zeigen, war aber nicht ihre Sache [...]. Ihre Selbstbeherrschung
undWillenskrafthabengroßenEindruckaufunsgemacht.136
Wen Robert Stein mit „uns“ meint, geht aus dem Folgenden hervor:
Emmysei „ihrerMutterdieallerbesteTochter“gewesen, jamehrnoch,
diejenige, „diedenGeistdes4.Stockes [woMarkusSteinwohnte,C.D.]
imgutenSinnedesWorteshüteteunddamitunhörbarundunsichtbar,
aber faktisch eine Art Opposition gegen jene Geschwister bildete, die
diesenGeistdurch ihreLebenshaltungverletzten“.137 Mitdieserdeutli-
chen Spitze gegen die Geschwister Emmys, allen voran wohl die beiden
anderen Töchter Helene und Paula, teilt der Stammhalter die Familie in
zweiParteien:dievomEthosdes „DienstesanderSache“Getragenen
einer- (zu denen Robert Stein neben seinem Großvater Markus und sei-
nem VaterRichardwohl auch sich selbst zählte) unddie aufEigennutz
Bedachten andererseits (eine Gruppe, der wohl auch Maria Charlotte
Steinzugerechnetwurde).
AusderEheEmmaSteinsmitOskarvonSaxgingdieTochterUlrike
Maria (genannt „Ully“oder „Mary“bzw. „Marie“)hervor (Geburtsdatum
ca. 1907, Sterbedatum nicht ermittelt), die 1938 H. T. Young heirate-
te.138
Als ihre Schwester Paula und ihr Bruder Erwin nach dem „Anschluss“
Österreichs an das Deutsche Reich emigrierten, entschieden sich Emmy
von Sax und ihre Schwester Helene (siehe unten) für den Verbleib in
Wien.Als „Volljüdin“überausgefährdet, gelangesEmmyvonSaxden-
noch, die Nazizeit unbeschadet zu überstehen. Ihre Tätigkeit für den
Verlag, der seit 1938 pro forma von „arischen“ Familien- bzw. Firmenan-
gehörigen geführt wurde139 und als Vertriebsstelle für Reichsgesetzblatt
und Reichssteuerblatt – zumindest zeitweise – „kriegswichtig“140 war,
136 R.Stein:GedenkblattEmmyv.Sax,S.1.
137 Ebd., S.2f.
138 Ein „phantastisch reicher Engländer aus sehr guter Familie“ laut Lotte Sweceny (in
einemundatiertenKonzeptanAlexanderLernet-Holenia, SteinFA).
139 SieheuntenKap.6.5.
140 „AufGrundderErmächtigungdesPräsidentenderReichskulturkammerundGeneralbe-
vollmächtigten fürden totalenKriegseinsatzhabe ichdieFortsetzung IhrerVerlagsarbeit
als kriegswichtiganerkannt“ (PräsidentderReichsschrifttumskammer[HannsJohst]:
Brief anManzscheVerlags-undUniversitätsbuchhandlung[SteinFA].Berlin.26.Sep.
1944).
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik