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6.4 DieGeschwister
Robert Stein starb am 27. Juli 1970 während einer Bergtour – wie sie
sowohl er als auch sein Bruder Walter häufig und gerne unternahmen –
aneinemHerzinfarkt.
6.4.2 WalterStein
WalterWilhelmOttoSteinwurdeam2.November1901inWiengeboren.
Der zweite Sohn Frieda und Richard Steins fĂĽgte sich weniger leicht als
BruderRobertdenErwartungenseinesVaters, demu.a.die schlechten
SchulnotendesZweitgeborenenKopfzerbrechenbereiteten.181 Walter
wiederumhielt – zumindest zeitweise–dieZusammenarbeitmitdem
Vater „auspsychologischenGründenfürunmöglich“.182 Miteiner frühen
Heirat – Walter hatte am 6. Januar 1924 23-jährig Gisela Margarethe
Holzer (1904–?) geehelicht und mit ihr den 1925 geborenen Werner183
gezeugt–hatteWalter jedenfalls seineEigenständigkeit (oder, jenach
Sichtweise, seinenLeichtsinn)demonstriert.184
In den 1920er-Jahren hielt sich Walter – nach der Matura 1920 – fern
des Familienbetriebs mit unterschiedlichen Tätigkeiten über Wasser, u.a.
mit dem Verkauf von Türschlössern.185 Zuvor hatte er eine Bankprü-
fung oder einen Abiturientenkurs an der Handelsakademie absolviert
undbeiderUnion-Bankgearbeitet.186 1923arbeiteteer fürdie „Bank-
181 Robert gegenüber erwähnt Richard die schlechten Noten von dessen Bruder Walter:
„Walterhatunsnicht viel Freudegemacht; erwardoch inGriechischgetadelt, Latein,
DeutschundGeschichteermahnt.SeinSchlusszeugnishatNachprĂĽfungen inGeschichte
undGeographie;das istdochzublöd, sich so seinenSommerzu ruinieren,wenner sich
auch natĂĽrlich in seinem herrlichen Leichtsinn darĂĽber keine grauen Haare wachsen
lässt [...] (Richard Stein: Brief an Robert Stein. 28. Juli 1917 [SteinFA], zit. nach ebd.,
S.176FN478).
182 RobertStein:Brief anWalterStein.9.Apr. 1925(zit. nach ebd., S.176FN479).
183 WernerWolfgangOttoDitherfiel imFebruar1945 inKönigsberg;dieFamilie erfuhrerst
zehn Jahre später von seinem Tod (Barbara Netscher: Persönliche Mitteilung an den
Verfasser [E-Mail].Ronneburg.28.Feb.2011).
184 DieEhewurde„wohlnurbedingtmitderZustimmungdesVaters, dieWalteraber in
verschiedenen Briefen zu erlangen suchte, geschlossen“, so Walters Tochter Barbara
Netscher (ebd.). Die Ehe wurde am 7. Mai 1933 geschieden; die Scheidung wurde aus
unbekanntenGründenerst am14.April 1946 rechtskräftig.
185 Markus F. Stein: Persönliche Mitteilung an den Verfasser (E-Mail). Wien. 1. März 2011.
186 BarbaraNetscher:PersönlicheMitteilungandenVerfasser (E-Mail).Ronneburg.28.Feb.
2011. Aus der Stellung bei der Bank wurde Walter im Januar 1922 gekĂĽndigt, da er
sich längere Zeit wegen einer Lungenerkrankung in einem Sanatorium in Gmunden
aufhaltenmusste.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik