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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
6.5 Nachdem„Anschluss“
EinweitererGrund fĂĽrdiewirtschaftlichenSchwierigkeiten, indenen
sichdieösterreichischenVerlage–soauchManz– inden1930er-Jahren
befanden, war das Buchdumping, das die reichsdeutschen Verlage be-
trieben.Abdem9.September1935trat imDeutschenReicheineVerord-
nungzurBuchexportförderung inKraft,welchedieSenkungderPreise
um 25% zur Folge hatte.197 Im Nachbarland, wo man die politischen
Entwicklungen im Reich mit Besorgnis verfolgte, war man wenig begeis-
tert: „DerGeistderVerteidigungmanifestierte sich indervehementen
Ablehnungdesdeutschen Buchdumpings.“198 DieösterreichischeStan-
desvertretung„VereinderösterreichischenBuch-,Kunst-undMusikali-
enhändler“, dessen Vorstand auch Robert Stein angehörte, reagierte mit
dem sogenannten „Verlagsförderungsgesetz“199, das am 1. Januar 1936
in Kraft trat und die Arbeit inländischer Verleger bezuschussen sollte.
Ein eigens eingerichteter Fonds sollte durch eine Kommission verwaltet
werden.AufderVorschlagsliste zudenMitgliederndieserKommission
fandsichauchderverdienteFunktionärRobertStein; gewähltwurde
er letztendlichnicht, ebensowenigwieder–ebenfalls jüdische–Paul
Zsolnay.200 Bereits1936begannauchdieEinschleusungvonNational-
sozialisten in die österreichische Verlagslandschaft,201 bevor dann im
Zuge des „Anschlusses“ am 12. März 1938 die rasante „Arisierung“ des
österreichischen Buchhandels- und Verlagswesens in Angriff genommen
wurde.
Dassdie „Volljüdinnen“202 EmmyvonSaxundHeleneWingerKom-
manditistinnen waren, stellte den Verlag nach der Nazi-Okkupation Ă–s-
terreichs vor Probleme. Am 22. März, zehn Tage nach dem„Anschluss“,
schrieb Helenes Bruder Robert Stein an seinen Anwalt Dr. Hans Haider:
Bezugnehmend auf unsere gestrige Unterredung erlaube ich mir
mitzuteilen,dasswir imEinvernehmenmit allenKommanditisten
dasehesteAusscheidenderKommanditistinnenunsererFirmaFrau
197 Vgl.Hall:ÖsterreichischeVerlagsgeschichte I, S.146ff. („Das reichsdeutscheBuchdum-
ping“).
198 Ebd., S.152.
199 BGBl. 1935,StĂĽck134v.27.12.1935,Nr.497/35(vgl. ebd., S.207).
200 Vgl. ebd., S.210–212. DassRobert Steins jüdische Herkunft dabei eine Rolle spielte, ist
nicht erwiesen, kannaberangenommenwerden.
201 Vgl. ebd., S.262ff.
202 SiehedazudieBegriffsklärungen inFN 248.
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik